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Montag, 18. Januar 2016

Auf gute Nachbarschaft

Ich habe euch ja schon ein bisschen über die Flüchtlingsthematik hier bei uns im Dorf erzählt. Auch bei uns im Dorf (300 Einwohner) ist inzwischen die erste von drei geplanten Flüchtlingsfamilien angekommen. Und weil das Thema im Moment nicht nur meinen Kopf, sondern auch meinen Tag ausfüllt, möchte ich euch gerne noch ein bisschen von meinen Eindrücken erzählen. Nicht darüber, was ich von der Flüchtlingspolitik denke, nicht über meine allgemeine politische Meinung, nicht über die Situation irgendwo, auch nicht über alle Flüchtlinge generell. Nur über den Erstkontakt mit "unserer" afghanischen Familie, über die ersten Erfahrungen und Begegnungen hier vor Ort. Mitten auf dem Land im Herzen Bayerns.


Letzte Woche waren sie plötzlich da. Schon aufregend, der Moment, wenn alle Spekulationen, Planungen, Gedanken, Ängste plötzlich Mensch werden und vor einem stehen. Angekommen ist eine Familie aus Afghanistan. Mutter (hochschwanger), Vater, 3 Kinder mit 14, 6 und 2 Jahren. Mit einem Koffer und ein paar Tüten. Durchgefroren. Schüchtern. Froh, endlich angekommen zu sein. Aber auch offen. Höflich. Freundlich. Dankbar für jede Hilfe.


Die Unterkunft: Ein altes Schulhaus mit zwei kleinen Wohnungen. Relativ baufällig und zugig, aber sicher besser als eine Turnhalle. Die bezogene Wohnung: Kleine Küche, Bad, 3 Schlafzimmer. Zwei davon durfte die Familie belegen, in einem stehen 2 Betten, im anderen drei - das dritte, etwas größere Schlafzimmer ist mit drei Betten reserviert für die nächste Familie. Auf jedem Bett liegen die notwendigsten Utensilien. Bettwäsche, Handtuch, Topf und ähnliches. Kein Fernsehen, miserable Datenverbindung. Langeweile wird sicher eines der größten Probleme hier. Eine Freundin, der Leiter des Helferkreises in der Gemeinde und ich versuchen, den Leuten das Wichtigste in der Wohnung zu erklären - und sind erstmal selbst gefordert.


Der Herd funktioniert erstmal nicht, die Waschmaschinentür lässt sich nicht öffnen, die Toilette verliert Wasser. Ein Esstisch fehlt komplett und die Heizung fährt bei der Nachtabsenkung die Temperatur so stark herunter, dass in dem zugigen Gemäuer unter 20 Grad herrschen, die Böden sind eiskalt. Wir versuchen, die Mängel so weit wie möglich zu beheben, bringen Decken, der Hausmeister muss informiert werden. Die Verständigung ist schwierig - die Mutter spricht ein paar wenige Brocken Englisch, ansonsten wird mit Händen und Füßen gearbeitet. Wenn gar nichts mehr geht, schaltet sich telefonisch der Schwager der Mutter mit ein, der relativ gut Englisch spricht, und übersetzt das Nötigste.


Wir werden gefragt, ob wir gern die Patenschaft für das Flüchtlingshaus übernehmen wollen. Wollen wir nicht. Eigentlich. Jede von uns hat Haus, Kinder, Arbeit. Trotzdem sind wir jeden Tag vor Ort, einfach, weil es notwendig ist. Die Eltern können lesen und schreiben, aber leider keine lateinischen Buchstaben - es fällt ihnen entsprechend schwer, an irgendwelche Informationen zu kommen. Buszeiten, Öffnungszeiten, Beförderungsmöglichkeiten - alles spanische (bzw afghanische) Dörfer, wenn man keine lateinischen Buchstaben lesen kann. Der nächste Supermarkt ist drei Kilometer entfernt im nächsten Ort - eigentlich zu Fuß durchaus zu machen (zumindest wenn man nicht hochschwanger ist, ein Zweijähriges Kind dabei hat und der Weg witterungstechnisch einfach sehr vereist ist :P), aber den Weg muss ihnen erst mal jemand zeigen. Bis dahin - Fahrdienst zum Supermarkt.


Die Hilfsbereitschaft im Ort ist riesig. Auch wenn die meisten den persönlichen Kontakt noch scheuen - jeder gibt, was er kann. Ein Esstisch, Tischdecken und Handtücher, Teppiche für den kalten Boden, Vorhänge zum nächtlichen Abdunkeln, Küchenutensilien, Schneeanzüge, ein Kinderwagen, Spielzeug, Kleidung -  Alt und Jung ruft an und bietet schnell und unkompliziert Hilfe an. Das ist wundervoll zu sehen und zu erleben. Und unsere afghanische Familie ist so unglaublich dankbar. Die Kinderaugen strahlen, als sie die zusammengestellten Spielzeugtüten auspacken und sich in die Fleecedecken wickeln. Ich glaube, der meistgesagte Satz der Familie ist ein ehrliches "Thank you so much.". Danke. Immer wieder Danke. Die Kinder meiner Freundin ziehen die beiden afghanischen Kleinen ein paar Runden durch den Schnee, als wir gemeinsam den Weg zur Bushaltestelle erkunden. Die Kinder lachen ausgelassen, als sie in den Bobs durch den Schnee schlittern. Und ich denke mir: Doch. Das kann funktionieren.


Im Moment steckt viel Zeit dahinter. Auch einfach, weil alles persönlich geklärt werden muss, weil so vieles noch unklar und ungewohnt ist. Weil sie einfach ohne Sprache und Schrift, ohne Fortbewegungsmöglichkeiten total aufgeschmissen sind in unserem 300-Seelen-Ort am Ende der Welt. Aber sie werden lernen. Sie wollen lernen. Und wenn unsere Asylsuchenden offen sind und die Menschen hier im Ort auch, dann bin ich überzeugt davon, dass das funktionieren wird. Dass sie ihren Platz finden werden. Neben uns. Und mit uns. Auch weil es einfach keine Alternative gibt, im Moment.


Ich werde nachher nochmal vorbeilaufen (der englischsprechende Schwager soll heute zu Besuch kommen), die versprochenen Buszeiten vorbeibringen und nebenher hoffentlich ein paar Infos über den Übersetzer erhalten - was die Familie noch dringend braucht, zuerst einmal. Aber vielleicht auch ein paar persönliche Infos. Wie sie eigentlich hierher gekommen sind. Woher sie genau kommen. Was sie erlebt haben. So viele Fragen spuken durch meinen Kopf - mal sehen, ob ich die ein oder andere beantwortet bekomme.... :D


Begleitet haben meinen Text heute Bilder von der großen Hasentochter und der zweiten "Ginny" von rosarosa, die ich genäht habe (hier geht's zum Ebook: *KLICK*). Aus dem dunkelblauen beflockten Jeans sieht der Faltenrock richtig edel aus, und die Taschen und Knöpfe peppen das Teil nochmal richtig auf. Den unteren Rand habe ich mit einer dunkelblauen Satinpaspel und einem doppelten Streifen Baumwollbatist abgeschlossen, die Wollstulpen passen perfekt darunter. Außerdem gab es aus dem gleichen Stoff noch eine "Resi", mein Lieblings-Farbenmix-Hutschnitt (heißt "Hannes und Resi") und ein großes Tuch aus dem gepunkteten Baumwollbatist, mit dunkelblauer Bommelborte (Schnittmuster aus "Lilli's Kapp-Parade, hier entlang: *KLICK*). Kombiniert ist das Outfit wirklich feiertagstauglich und war bei uns an Weihnachten die Klamotte der Wahl. :D :D


Wie steht es denn bei euch so? Habt ihr auch Flüchtlinge in der Nähe? Habt ihr Kontakt? Erfahrungen? Wie handhabt ihr das so?

Neugierig-hasenwilde Grüße
Johanna

Mittwoch, 9. September 2015

Öfter mal was Neues - eine Wollwalkjacke für mich

Die letzte Woche der Sommerferien hier in Bayern. Ein bisschen traurig. Weil ich noch ewig so weitermachen hätte können. Ich habe zum Glück zwei Langschläferkinder, die sich in den Ferien gut auf 9.00Uhr/9.30Uhr aufstehen einpendeln. Wir genießen nach wie vor die Ruhe, die Freiheit, keine Termine oder Verpflichtungen zu haben, keinen Wecker morgens zu brauchen und hier und da den Tag einfach mit dem Mittagessen zu starten.


Ich hätte zugegebenermaßen schon noch eine Weile so weitermachen können. Aber dann, auf der anderen Seite, bringt das neue Kindergarten-/Schuljahr ja auch immer viel Neues und Spannendes mit. Aus meinem Kindergartenneuling wird ein "mittleres Kind". Die Kleine ist jetzt eine der Großen in der Waldspielgruppe, die sie zwei Vormittag in der Woche besucht. Vollkommen neue Startbedingungen. Und viele Chancen, die sich da auftun.


"Alles neu macht der...." nein, nicht der Mai, der Schulanfang. Auch für Nochnichtschulkinder. Und Eltern. Und das ist auch gut so. Denn wer nichts Neues ausprobiert, dem fehlt die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen - gute und schlechte. Und daraus zu lernen, sich weiterzuentwickeln, zu wachsen.


Und die Chance, aus einer Herausforderung mit stolzgeschwellter Brust herauszugehen und zu sagen: "Das war nicht leicht. Aber ich hab's geschafft." Und so ein Moment ist wahnsinnig kostbar für das Selbstwertgefühl. Und das nicht nur für Kinder.


Ich stelle mich auch hin und wieder ganz gerne einer Herausforderung - natürlich immer dem Risiko ausgesetzt, dass die Sache ein furchtbarer Flop wird. Dieses Mal war es ein neuer Stoff, den ich zuvor noch nie vernäht hatte und an den ich mich getraut habe - Wollwalk. Und damit die Spannung auch richtig steigt, gleich noch in Kombination mit einem neuen Schnitt, den ich noch nie ausprobiert hatte. :D Wenn schon, denn schon.... Zugegebenermaßen hat meine Hand beim ersten Scherenschnitt ganz schön gezittert... :D


Aber ich finde, das Projekt ist gelungen! Auch wenn ich zwischendrin ein bisschen gekämpft habe. Nämlich mit den Knopflöchern. Die Knöpfe waren nämlich zu groß für die Knopflochautomatik meiner Nähmaschine, also musste ich die von Hand an die richtige Stelle nähen - das hat mich echt einige Stunden und Schweißperlen gekostet.... Aber letztendlich sind jetzt auch die Knopflöcher da, wo sie hingehören. :D


Der Schnitt ist der Mantel "Johanna" von farbenmix (passender Name, findet ihr nicht? :D ), und ich habe ihn zur Jacke gekürzt und mit einem weichen Interlock gefüttert. Ich hatte nämlich ein bisschen Angst, dass das eine recht kratzige Sache wird mit dem Wollwalk - wobei das nicht unbedingt hätte sein müssen, bei den Temperaturen, die eine Walkjacke erfordern, trägt man normalerweise ja sowieso was Langes drunter. Aber ich mag den frischen Farbkontrast des fliederfarbenen Interlocks sehr gerne, und muckeliger ist es so auf alle Fälle auch! "Johanna" passt jedenfalls ohne jede Änderung wie angegossen - da brauche ich auf alle Fälle auch noch einen richtigen Mantel in lang!

 
Wollwalk lässt sich eigentlich super verarbeiten - weil er nicht ausfranst, muss man nicht mal die Kanten versäubern, man kann ihn unten am Saum einfach nur abschneiden. Am Ärmelsaum sieht man das bei mir, da hab ich das so gemacht. Ein einfacher Geradstich ohne Versäubern reicht beim Nähen - da sind die Nähte ruckzuck gesetzt! Und weil sich der Wollwalk trotzdem ein bisschen mitdehnt, verzeiht er auch die ein oder andere Ungenauigkeit beim Zuschneiden. Ein tolles Material. Dass ich das nicht schon früher entdeckt habe!!
 
 

Passend zu meiner Walkjacke habe ich mich erstmals an meinen Lieblingsmützenschnitt "Resi und Hannes" von farbenmix in Erwachsenengröße getraut. In dem Fall ist es Hannes, weil ich den oberen Mützenteil nicht so extrem bauschig haben wollte. Die Mütze ist mit antistatischem Futter gefüttert, so kann auch nichts jucken oder kratzen, auch wenn man unter der Mütze schwitzt.


Den grünen Wollwalk mit den Blümchen durfte ich für Stoffversand4u vernähen, den beerefarbigen Kombiwalk habe ich aus dem Stoffladen um die Ecke. Habt ihr jetzt auch Lust auf was Neues bekommen? Wollwalk? Hier findet ihr meinen grünen Blumenwollwalk:

                           Viona Blumenwalk - Musterwalk Blumen grün

Und schaut euch auf alle Fälle HIER auch die restlichen Walkstoffe an - da ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei!  Und aus 1,5m lässt sich schon so ein schickes Jäckchen nähen wie meines.... :D              
 
Meine Herausforderung mit dem neuen Schnitt und dem Wollwalk hat mir auf alle Fälle richtig Spaß gemacht. Und deswegen schicke ich meine neue Jacke auch sehr zufrieden mit mir zu RUMS. .D Jetzt sehe ich dem Ferienende nicht nur mit einem weinenden, sondern auch mit einem lachenden Auge entgegen. Her mit den neuen Herausforderungen! Lasst uns ein bisschen wachsen und lernen.... :D
 
Hasenwilde Grüße
Johanna

Freitag, 3. Juli 2015

Mohnblumenpüppchen

Huhu ihr Lieben!!

Heute nur ein ganz kurzer Post aus der Versenkung. Wir sind nämlich schwer beschäftigt.


Womit, fragt ihr? Naja, Baden, zuallererst und primär und täglich. Im Planschbecken, in diversen Pools und natürlich im Schwimmbad. Je nachdem. Die kleine Hasentochter traut sich seit gestern mit ihren Schwimmflügelchen Mamas Hand loszulassen und paddelt mutig alleine drauflos. Die Mama voller Stolz hinterher. :D


Aber auch sonst nutzen wir alles, was der Sommer so hergibt. Radelfahren. Abends draußen Brotzeit machen. Grillen. Mit einem Glas Rotwein den lauen Sommerabend genießen. Und den ganzen Tag draußen sein. Wie sagte eine Freundin gestern zu mir? "Bettgehzeiten, der sonstige Alltagstagesablauf, lass das mal alles außen vor jetzt. JETZT ist Sommer. Diese Abende sind die, an die wir uns im Winter erinnern und die uns im Winter warm halten.". Und das stimmt. Bis bei uns die Sommerferien anbrechen, sind die warmen Tage meistens gezählt. Also nutzen wir den Sommer mit seinen gut 30 Grad. JETZT.


Deswegen ruht gerade alles bis auf das Nötigste, und wir genießen den Sommer in vollen Zügen. Es gibt ja auch so viel zu entdecken gerade. Alles ist grün, das Gras auf den Wiesen steht höher als die Kinderköpfe sind, alles summt, zwitschert, leuchtet und blüht. Hier auf den Fotos habe ich meiner Großen zwei Mohnblumenpüppchen gebastelt. Kennt ihr? Mohnblumen sind ja sowieso etwas faszinierendes. Dieses wunderschöne, kräftige Rot - und trotzdem so vergänglich.


Diesen Platz, an dem wir fotografiert haben, habe ich am Tag vorher ausgesucht, weil alles voll Mohnblumen war. In allen Größen. Am nächsten Morgen, als wir mit der Kamera da ankamen, war die Hälfte schon wieder abgefallen. Wahrscheinlich sind die Mohnblumen deswegen so besonders. Weil sie eine Sommer-Momentaufnahme sind. Und man sieht sie überall blühen, weil sich das Pflücken sowieso nicht rentiert - bis man daheim ist, sind die empfindlichen Blätter schon abgefallen.


Umso mehr Reiz haben die filigranen Mohnblumenpüppchen. Klein, zart, farbenprächtig laden sie ein, im Spiel zu versinken. Einmalig. Denn am Tag darauf sind sie welk. Meine Tochter war hin und weg und ist sofort ins Spiel mit den süßen Püppchen abgetaucht.


Und genau diese Momente sind für mich Sommer pur. Mal davon abgesehen, dass das Fotografieren eines spielenden Kindes ein reines Vergnügen ist, bei dem ich mich mit meiner Kamera so richtig austoben kann. :D


Ausgeführt haben wir ein neues Sommeroutfit. Die Hose ist der absolute Knaller. Ein neuer Schnitt von Katrin von FinnLeys, den ich probenähen durfte. Ein lockerer Sommerhosenschnitt namens Finn, wahlweise mit hohem oder tiefem Schritt, pumpig fallend und mit vielen süßen Extras wie der Passe hinten, einer Potasche, Taschen vorne, Knieabnäher, einer Cargotasche und zwei verschiedenen Bundvarianten. Mein absoluter Sommerlieblingsschnitt, es gibt noch zwei davon, die ich euch zeigen möchte, und die vierte ist gerade in Arbeit. :D :D


Passend zur Finn, die ich aus petrolfarbenem dünnem Feincord genäht habe, gabs die Farbenmix-Mütze "Resi und Hannes" und als Shirt ein "Easy Peasy Summer T", ein Ebook in Größe 86 - 158 von Stoffwechsel. Auch so ein Lieblingsschnitt, der schon zum dritten Mal von mir genäht wurde. Ich mag die nach vorn gezogene Schulternaht total gerne, das wirkt soooo fetzig!! HIER findet ihr zum Ebook. Die Stoffe sind allesamt von den Waschbeckenpiraten.


Hier der Link direkt zum Ebook "Finn":


http://finnleyswelt.de/shop/finn-die-sommerhose-von-finnleys-ebook/

Ich werde mich jetzt ganz schnell wieder vom PC lösen und mich wieder ausschließlich dem Sommer widmen. Das Cherry-Garcia-Eis mit frischen Kirschen aus dem Ben-und-Jerrys-Rezeptbuch ist bereit für die Eismaschine, das Planschbecken ist lauwarm und am Rande unseres Gartens blühen die Mohnblumen. Also nix wie raus! :D



Hasenwilde Grüße
Johanna