wenn was nicht passt, dann muss man sich entweder damit abfinden oder gucken, ob man es ändern kann. Das trifft auf so viele Situationen im Leben zu. Und weil dieses "passen" oder "nicht passen" sehr individuell ist, gibt es leider kein Patentrezept - nicht für den Job, nicht für die Kindererziehung, nicht für einen gelungenen Urlaub und grundsätzlich sehr selten für Elemente der Lebensplanung.
Das ist recht schade, denn so ein fertiges Grundrezept würde das Leben doch viel einfacher machen. Ist aber nicht. Und, wenn wir ehrlich sind, wäre das auch ziemlich langweilig, oder?
Flexibilität ist also das Motto der Stunde. Immer wieder überprüfen, ob die eigenen Rituale noch zu mir passen. Gerade dann, wenn's irgendwo hakt. Seien es die Bettgehzeiten oder die Hausaufgaben, die gemeinsame Terminabsprache oder die Hobbygestaltung. Manchmal schleichen sich Gewohnheiten ein, die grundsätzlich zur Missstimmung führen.
Die große Tochter und ich feilen zum Beispiel immer wieder an den Hausaufgabenzeiten. Gleich nach der Schule ist sie so unkonzentriert, dass sie ewig braucht und viele Fehler macht. Zu spät am Abend kollidieren die Hausaufgaben aber mit Abendessen, Familienzeit und Bettgehzeiten. Und dazwischen? Da wäre ich doch durchaus auch gern mal mit meinen Kindern ungebunden. Frei für einen Ausflug, oder zumindest einen Einkauf im nahegelegenen Supermarkt. Wir haben also eigentlich gar keine Zeit für Hausaufgabenzeit! Aber hilft ja nichts. Ich bin also so flexibel wie möglich und wir teilen die Hausaufgaben auf und suchen nach dem Zeitpunkt, der am besten ins aktuelle Familienleben passt. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Aber grundsätzlich mit einem gewissen Maß an Flexibilität.
Ich stelle immer wieder fest: Rituale sind wichtig, aber es ist genauso wichtig, sie immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, ob sie nach wie vor familientauglich und zeitgemäß sind. Und dann flexibel zu reagieren, wenn Dinge geändert werden müssen.
Auch im Urlaub hab ich wieder festgestellt: Am friedlichsten ist der Ablauf, wenn wir Eltern uns nicht zu sehr auf unsere Pläne versteifen. Wenn es auf dem geplanten Stadtausflug furchtbar heiß ist und die Kinder quengelig werden, wird eben abgekürzt und wir suchen uns stattdessen einen kühlen Platz im Park, am Brunnen, am Bach, wo auch immer. Wenn die Herrschaften bereits zwei Stunden vor dem geplanten Restaurantbesuch quasi verhungern, dann kochen wir eben doch. Oder holen Pizza. Und gehen ein andermal essen. Was nicht heißt, dass wir vor jedem Wünschchen unserer Kinder eine tiefe Verbeugung machen - die halten durchaus auch manchmal was aus. Die Kunst ist, einen guten Blick dafür zu entwickeln, wann man die Pläne besser ändert und wann das Endergebnis für den vorhergehenden Ärger entschädigt. :D
Nähtechnisch ist das übrigens auch so. Es gibt genähte Teile in meinem Kleiderschrank, die passen eben einfach nur so irgendwie. Und nicht richtig. Die ziehe ich natürlich nie an. Aber weil sie ja irgendwie so halbwegs passen, werfe ich sie auch nicht weg. Und manchmal packt mich dann der Rappel, und ich mache mich über meine Schrankleichen her. Dann kommen sie entweder weg oder werden zu etwas Neuem. So auch hier - das Kleid mit dem wundervollen Rock hatte ein Webwareoberteil, welches nur so irgendwie halbwegs passte. Eigentlich waren die Träger zu weit innen und der Ausschnitt an der Achsel viel zu tief. Ich hatte das Kleid also vielleicht einmal an und seither schlummerte es in den Tiefen meines Kleiderschrankes. Bis ich mich letztens endlich dazu aufgerafft habe, das Oberteil und den Rock zu trennen. Stattdessen habe ich an den weichen Rockstoff eine "Lucy" von Meine Herzenswelt genäht. Ich musste sie ein bisschen kürzen, aber ansonsten passt sie nicht nur wunderbar an den Lynn-Rock, sondern eben auch an mein vernachlässigtes Rockteil. Und jetzt sitzt das Kleid wieder, ist weich und angenehm und ich habe Lust, es zu tragen. Die Bilder hat übrigens meine Schwester gemacht, und ich bin sehr begeistert davon - man sieht schon den Unterschied zwischen einem Stativ mit Fernauslöser und einem echten, lebendigen Menschen hinter der Kamera, findet ihr nicht? <3
Ich bin also um ein passendes Kleid im Schrank reicher und fühle mich in meiner Flexibilitäts-Theorie bestätigt. Lasst mich also einmal durchschnaufen und dann diese Hausaufgabenzeiten nochmal angehen... :D :D :D
Hasenwilde Grüße
Johanna
















































