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Sonntag, 5. März 2017

Knigge vs. Ellenbogen

Letztens war ich mit Freundinnen auf einem Vortrag im Nachbardorf. Es ging um Knigge. Um gute Manieren, gutes Benehmen in der Öffentlichkeit, um How-Tos und Not-Tos.



Das meiste kannte ich schon, manches war mir nicht so bewusst, manches fand ich auch überspitzt pingelig. Insgesamt glaube ich, dass ich sagen kann, dass mir die Knigge-Grundbegriffe geläufig sind und ich versuche, diese meinen Kindern zu vermitteln. Bitte und Danke. Teilen. Abgeben. Hinten anstellen. Sich nicht mit den Ellbogen holen, was man möchte, sondern fragen. Und auch mal zurückstecken. Solche Dinge.


Daraus hat sich eine sehr interessante Diskussion hinterher zwischen mir und meinen Freundinnen entwickelt. Erziehungstechnisch liegen wir ziemlich auf der gleichen Wellenlänge, muss ich sagen. Ich würde die Kinder meiner Freundinnen als sehr wohlerzogen betiteln und es ist mir ein Vergnügen, sie um sich zu haben. Obwohl fast alle älter als meine beiden Damen, nehmen sie die beiden mit und lassen sie mit einkommen. Meine beiden Mädels nehmen so viel mit von diesen Treffen, beobachten, lernen, übernehmen und bewundern und lieben ihre großen Freunde über alles. Sie agieren rücksichtsvoll untereinander, teilen, helfen, warten. Eine wunderbare Gruppendynamik zwischen unterschiedlich alten Kindern.


Leider funktioniert das nur, wenn alle Kinder sich an die gleichen Regeln halten. Und darum drehte sich unsere Diskussion. Benachteiligen wir unsere Kinder, weil man mit zu viel Manieren und Rücksichtnahme einfach zu nichts kommt? Weil in einer Ellbogengesellschaft untergeht, wer keine Ellbogen hat? Weil man sich heutzutage lautstark präsentieren muss, um gesehen zu werden?


Ein Beispiel: Jedes Jahr im Sommer veranstaltet einer der Vereine hier am Ort eine Radtour für Kinder und Familien. Es werden drei unterschiedliche Schwierigkeitsgruppen gebildet, denen man sich anschließen kann, und nach der Radtour gibt es ein gemeinsames Essen am Spielplatz - und als Belohnung hinterher ein Eis für alle Kinder. Da kommt dann also jemand mit einer dicken Kühlbox, vollbepackt mit "Steckerleis" (Eis am Stiel). Es macht PUFF und alle Kinder stürmen auf diese Eisbox zu. Schieben, drängeln, brüllen von hinten "Ich will einen Tornado!" "Ich will ein Colaeis!", greifen in die Kiste und wutschen davon. Die meisten nicht grob, aber sehr energisch und bestimmt. Hinten steht meine große Tochter. Versucht, in dem Kreis um die Eisbox das Ende der Schlange auszumachen. Stellt sich irgendwo an. Ein Eis nach dem anderen geht weg, die Kinder rutschen auf, der Kreis bleibt dicht. Meine Tochter steht an. Hinten. Bis fast alle anderen weg sind. In der Kiste liegen dann noch ein paar übrige Eis am Stiel - manche, weil sie abgebrochen sind, andere, weil sie keiner wollte. Die Tochter sucht sich eines aus, bedankt sich höflich und kommt zu mir zurück. Und fragt flüsternd, warum sie eigentlich nie ein Eis mit Gummibärchen im Stiel bekommt.


Versteht mich nicht falsch, ich mache den übrigen Kindern keinen Vorwurf. Sie haben gelernt, dass es bei einer begrenzten Menge Ressourcen eben Sinn macht, sich seinen Platz in der Reihe zu erkämpfen. Schnell zu sein. Dass man in der Situation mit Rücksichtnahme und Hinten-Anstellen in den sauren Apfel (oder das abgebrochene Eis) beißt. Und sie haben vollkommen Recht damit. Nur, was mache ich jetzt mit meiner Tochter, die sich eigentlich nur akribisch an meine Regeln hält?


Ich konnte diese Frage bisher für mich noch nicht zufriedenstellend beantworten. Vielleicht wird meine Tochter im Laufe der Zeit die ein oder andere Überlebensstrategie entwickeln, um nicht leer auszugehen. Vielleicht wird sie ihre Ellenbogen für sich entdecken. Was ich dann mache? Keine Ahnung. Hoffentlich situationsangemessen und kindgerecht reagieren. Auf dem Grat zwischen Manieren und Ellenbogen balancieren und versuchen, nicht herunterzufallen.


Schnell noch ein paar Infos zu dem wunderschönen Schnitt, den meine Tochter da trägt: Das Kleid Winterhude von Pech und Schwefel gibt es jetzt endlich auch für Kinder - und als Drehkleid ist es prädestiniert für die Damen im Haus Hasenwild. :D Der amerikanische Ausschnitt bringt noch ein bisschen Pepp ins Spiel - und so ist ruckzuck ein all- und feiertagstaugliches Teil fertig. Übrigens lassen sich Rock und Oberteil auch einzeln nähen um die Frühjahrsgarderobe aufzustocken! <3
Hier findet ihr das Schnittmuster:
https://www.pechundschwefel.eu/shop/winterhudemaedchen/


Und jetzt erzählt doch mal! Wie steht ihr zu der Manieren-Ellenbogen-Problematik? Kennt ihr das Problem? Wie geht ihr damit um?


Hasenwilde Grüße
Johanna

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Listenschreiber

Ich habe eine Liste erstellt. Ich mag Listen. Ich hake gerne Listen ab. Zumindest, wenn sie mir halbwegs machbar und übersichtlich erscheinen. :D


Ich habe eine Liste für's Urlaubssachen packen, eine Liste von Büchern, die ich gern haben möchte, eine Liste von Liedern, die ich mag, Listen von Chormitgliedern, Geburtstagslisten, Weihnachtsgeschenkelisten - und eine To-Blog-Liste, die immer angepasst wird.


Man verliert sonst den Überblick. Also, ich. Davon habe ich sowieso nicht übermäßig viel - je besser unterteilt mein Chaos ist, desto eher kriege ich es organisiert. Deswegen stehe ich so auf Listen.


Listen sind eben toll. Man sieht alles, was man braucht, auf einen Blick. Erledigte Dinge lassen sich abhaken und dann hat man vor sich den Beweis, dass man etwas geschafft hat. Ganz im Gegensatz zur leidigen Hausarbeit, bei der man irgendwie nie ein Ergebnis sieht. Also kein langzeitiges zumindest. Vielleicht sollte ich eine Hausarbeitsliste anlegen. Mit lauter Kleinzeug. "Socken aufheben". "Schlafanzug auf rechts drehen". "Kinderzahnbürste in den Zahnputzbecher stecken". Und dann lege ich die abends mit all ihren tausend Haken meinem Mann vor. Der würde ordentlich staunen, glaube ich.


Allerdings ist es nicht unmöglich, dass ich zum Listenschreiben dann genauso viel Zeit bräuchte, wie für den Haushalt... :D :D


Egal. Zurück zum Thema. Eigentlich wollte ich euch nämlich von meiner To-Blog-Liste erzählen, die ich vorhin gerade aktualisiert habe. Dabei habe ich mal wieder festgestellt, dass ich mehr nähe als ich blogge. :D :D Aktuell finden sich auf der "Damen"-Seite (also die Sachen, die ich für mich genäht habe) fünf Punkte und auf der "Kinder-Seite" ganze neun. Wovon drei allerdings noch nicht freigegeben sind zum Zeigen. Ich fange also mal wieder hochmotiviert an, alles ausstehende zu zeigen - nächste Woche sind Ferien, vielleicht bleibt da mehr Zeit für den ein oder anderen Blogbeitrag. Heute jedenfalls streiche ich schon mal einen der Punkte auf der "Damen"-Listenseite. :D


"Filou" für Damen ist ein ganz aktuelles Projekt, und diesen Kuschelpulli, den ihr da auf den Bildern seht, habe ich gerade an. Der weiche Wintersweat ist nämlich furchtbar heilsam bei lästigen Erkältungen. Glaube ich zumindest. Also, auf alle Fälle schadet es nicht, nicht zu frieren, oder? :D Ich mag den witzigen Einsatz und die körpernahe Form sehr gern - mal wieder ein Teil, das ganz klar Melanie von Feefee zuzuordnen ist. Ein Basicteil, das man in hundertfacher Ausführung im Schrank brauchen kann, aber mit pfiffigen Details, so dass sich der Schnitt schön von den vielen anderen Hoodieschnitten abhebt, die sonst so auf meinem PC schlummern. Viele Varianten bringt Filou auch mit - den Einsatz gibt es in zwei Höhen und drei Weiten, mit Kellerfalte oder ohne, außerdem gibt es zwei Taschenvarianten und Kragen oder Kapuze - und als Longsweat lässt sich Filou auch noch ganz wunderbar nähen. Zeige ich euch nächstes Mal. :D


Meine Version hier ist aus kuscheligem Wintersweat, den ich bei "Lebenskleidung" gekauft habe - Bio, GOTS zertifiziert und megakuschelig. Habe ich euch schon erzählt, dass ich voll auf Bio und GOTS stehe? :D Ich habe den schmalen Einsatz gewählt und mit den "Simply Pears" von Hamburger Liebe aufgepeppt. Dazu gab's eine Kapuze und Streifenbündchen und fertig ist der Kuschelpulli. Perfekt für den Winter. Und Schnupfennasen. :D


Hier könnt ihr euch das Ebook genauer anschauen - falls ihr Filou nicht schon als Kinderversion auf dem Rechner habt, lohnt sich vielleicht auch das Kombi-Ebook? (Wenn ihr genau schaut, könnt ihr da auf dem Deckblatt ((dem DECKBLATT!!!! YEEHAAAA!! :D )) schon meinen Filou Nummer 2 erspinksern... :D)

http://de.dawanda.com/product/107225043-ebook-filou-damen-der-allround-hoodie

Ich streiche jetzt also "Filou 1" von meiner Liste und verlinke meinen neuen Bio-Kuschelpulli zu RUMS. Und wisst ihr was? Irgendwie ja doch ganz nett, dass noch einiges zum Zeigen und Bloggen übrig ist. Eine Liste, auf der nichts drauf steht, ist nämlich irgendwie auch doof. :D

Hasenwilde Grüße
Johanna

Sonntag, 25. September 2016

Sammeltrieb


Ihr Lieben,
im Urlaub, in diesen entspannten Tagen, habe ich vorab zwei Blogbeiträge für euch geschrieben. Weil ich Zeit hatte. Weil ich gern schreibe. Und weil sie mir eben so in den Sinn kamen. Heute bekommt ihr den ersten der beiden zu lesen.

Jedes Jahr, bevor wir in den Urlaub fahren, holen wir ein paar Tage vorher den Wohnwagen aus Opas Stadel und stellen ihn vor unser Haus. Da meine Eltern ihn im Moment kaum nutzen ist er meistens ein bisschen verstaubt vom Winter und ich putze und lüfte erst mal ordentlich durch. Im Eingangsbereich befindet sich ein schmales Regal, dafür hat mein Papa eigens ein paar passende Holzkistchen angefertigt, die genau hineinpassen. Wo ich also schon so am Saubermachen und Durchwischen war, habe ich mir die Kistchen gegriffen und dachte mir, ich schau mal, was da eigentlich so alles drin lagert.



Wenn ich euch jetzt erzähle, dass mein Papa ein alter Sammler und Bastler ist, der alles brauchen und nichts wegwerfen kann, könnt ihr euch wahrscheinlich schon vorstellen, dass das eine durchaus interessante Sache war… :D :D



Ich sitze also im Schneidersitz auf der Stufe vor unserem Haus, die Sonne scheint und ich fördere zu Tage, was sich da so versteckt. Von den drei alten Weckgummis kommt zumindest einer wieder in die Kiste. Man kann nie wissen. Das Häufchen alter Büroklammern und die drei zerbrochenen Kulis wandern in den Müll. Wenn er das wüsste, würde er grummeln: „Immer schmeißen sie alles weg, die Preindls! Kein Respekt vor recycelbaren Raritäten!“. Ich grinse vor mich hin – ich glaube nicht, dass er das Kugelschreiberersatzteillager vermissen wird. Die zwei uralten Stoffeinkaufsbeutel werfe ich aufgrund des modrigen Geruches in den Wäschekeller, ersetze sie aber durch neue. Was steckt da noch? Plastiktüten, Panzertape, eine durch Drehen aufladbare Taschenlampe (dieses Ding habe ich mein Lebtag nicht im Einsatz gesehen, und ich kenne diesen Wohnwagen jetzt seit 25 Jahren. Bisher haben noch immer die guten alten Batterietaschenlampen im Notfall ihren Dienst getan. :D), ein Bewegungsmelder (Wofür? Wofür??????), eine alte Glühbirne (von der ich fest glaube, dass sie kaputt ist und nach dem Austauschen einfach wieder in die Schachtel gewandert ist – sicher bin ich mir aber nicht), ein Knicklicht, verschiedene Rechnungen, ein Mini-Nähset ohne Nadel, Kabelbinder, diverse Kabelstücke und Schrauben, Angelhaken. Angelhaken?


Ich erinnere mich dumpf an eine Fahrt vor vielen Jahren, in der mein Papa sich eine Angel zugelegt hat und voller Motivation auf die Jagd ging. Ich glaube nicht, dass er was gefangen hat – seither liegt die Angel aber „für alle Fälle“ in einem der  Wohnwagenfächer und wartet auf bessere Zeiten. Der selbstgebastelte Urlaubskartenhalter aus Tonpapier war vor vielen Jahren ein Geniestreich von mir und hat glaube ich nie eine einzige Karte gehalten. :D :D


Ich packe einen kleinen Teil der Utensilien, die da auf der Stufe ausgebreitet liegen, wieder in die Holzkästchen (Panzertape und Kabelbinder kann man immer mal brauchen, da gebe ich meinem Papa ja vollkommen recht), das meiste landet in einer Extrakiste. Wegwerfen darf man ja nix hier. :D Die Kiste deponiere ich im Keller. Nicht nur, dass im Wohnwagen jedes Zusatzgewicht auffällt, meine Kinder jagen solche Trophäen mit Begeisterung und ich habe keine Lust, diese Kisten den ganzen Urlaub lang täglich wieder einzuräumen, nur weil die Damen sie interessant finden.


Kopfschüttelnd stelle ich die Pappkiste in ein Regal. Diesen Sammeltrieb werde ich nie verstehen. Wirklich, da bin ich vollkommen anders. Ich werfe Dinge weg, anstatt sie für Jahrhunderte in irgendeiner Ecke zu bunkern. Wo ich schon im Keller bin, beschließe ich, aus meinem Nähzimmer schnell die Schlafsäcke zu holen. Während ich mit beiden Händen Stoffstücke vom Sofa räume und dabei versehentlich in eine der Tüten mit alten Jeansresten zum Vernähen trete, muss ich lächeln. Ich stelle energisch noch zwei Kisten Bastelutensilien auf den Boden und kann endlich das Schlafsofa hochklappen, um an die Schlafsäcke darunter heranzukommen. Hat er doch Glück gehabt, mein Vater. Dass aus diesen Genen eine vollkommen rational denkende Tochter ohne jeglichen Sammeltrieb geworden ist, das hätte wohl keiner gedacht. :D :D



Hier noch schnell die Details zu den Bildern: Der Rock ist ein Freebook von Frau Liebstes/kibadoo und heißt einfach Jerseyrock Kids. Mit der Teilung lässt sich unglaublich gut mit verschiedenen Stoffen spielen - da kommt auch der tolle Simply-Apples-Jersey von Hamburger Liebe richtig gut zur Geltung! Das Tüpfelchen auf dem i ist aber die XXL-Häkelborte in altrosa, die ich für Nadine von Namijda vernähen durfte. Die verleiht dem Rock nochmal eine besonders pfiffige Note. Kombiniert habe ich das Röckchen mit einem ganz einfachen Basicshirt (Schnitt: Longsleeve von Lillesol und Pelle) aus den Big Dots von Lillestoff. Die Malia-Ballonmütze von Pom und Pino hab ich euch ja schon ein paar Mal gezeigt.

Hier geht's zur Häkelborte: (der Shop von Namijda ist übrigens ideal, wenn ihr Stoffe und Tüddelkram zum Kombinieren sucht - tolle Qualität und faire Preise für schicke Kombis. Ich hab schon mehrmals bestellt und werde definitiv dabei bleiben - die Sachen sind nämlich auch noch ruckzuck da!)

http://www.namijda.de/de/spitzen/kloeppelspitze/1-mtr-kloeppelspitze-extra-breit-altrosa-6-5cm.html

Hasenwilde Grüße
Johanna


Mittwoch, 31. August 2016

Erdbeer-Ella

Schön langsam werde ich fertig mit den Sommersachen... Wobei wir im Moment noch das herrliche Wetter genießen und richtig viele Sommersachen machen.


Gestern waren wir bei einer wunderschönen Gartengrillgeburtstagsparty einer Freundin im grünen Obstgarten und diese Woche steht sicher noch der ein oder andere Sprung in Omas Pool an. :D


Heute will ich auch gar nicht so viele Worte machen - wir sind gleich bei meiner Schwägerin zum Frühstück eingeladen.


Wir haben gestern aus dem Dachboden für sie alle unsere Babysachen geholt. Die Mädels haben fleißig geholfen und waren selber ganz erstaunt, was wir da alles haben und wie viel schon aussortiert wurde.


Zu süß, wenn sie sich an das ein oder andere Teil erinnern - oder es aber gar nicht fassen können, dass sie mal in einen Strampler der Größe 50 gepasst haben. :D :D


Jedenfalls werden wir nachher mal alles ausräumen, evtl aussortieren und mal schauen, was noch an wichtiger Erstausstattung fehlt. Eine wunderbare Beschäftigung, oder?


Auf den Bildern seht ihr die kleine Hasentochter in einem ihrer neuen Kleider. "Miss Ella" heißt der Schnitt von Annas Country und ist zuckersüß. Unser Exemplar hier habe ich etwas verlängert und unten weiter auslaufen lassen - je mehr sich dreht, desto besser, meint das Hasenkind. :D Das Haarband ist nach einem Tutorial von Hamburger Liebe entstanden. Vielleicht kommt euch der obere Stoff des Kleides bekannt vor - aus dem maigrünen Leinen habe ich mir eine Mabel genäht, das sind die Reste davon. Der Erdbeerstoff stammt aus einem aussortierten Kleid einer meiner Schwestern und passt perfekt dazu, finde ich. <3


Die kleine Hasentochter ist im großen Kleiderwahn. Ich glaube, in den letzten drei Monaten hatte sie vielleicht drei Mal (unter Aufbietung all meiner Überredungskünste) eine Hose an. Hosen gehen gar nicht im Moment. Über eine Leggings unter dem Kleid können wir immerhin diskutieren. Ich bin ja gespannt, wie das an den etwas kälteren Herbsttagen wird... :D Aber wahrscheinlich löst sich das, wie vieles, von selbst - wenn das Kind friert, wird es schon auf Hosen umsteigen. Wenn nicht, dann sind Kleider mit Leggings oder Strumpfhose (oder beidem) dann eben die Alternative der Wahl. Und da eignen sich Kleider wie Miss Ella ja auch wunderbar - mit einem Langarmshirt drunter und direkt aus Cord oder festem Jeans genäht halten solche Trägerkleider nicht nur schön warm, sondern sehen auch gleich herbstlich aus. :D


Hasenwilde Grüße
Johanna

Freitag, 2. Oktober 2015

Groß werden

Kontrastprogramm habe ich für euch diese Woche. Während das Dirndl vom Donnerstag (viiiiiiielen Dank für eure vielen lieben Rückmeldungen!! Ich hab mich über jede einzelne gefreut! <3 ) ja eher traditionell-romantisch war, wird's heute total cool im hasenwild-Blog...


Das war eines der ersten Herbstoutfits, die ich dieses Jahr genäht habe. Die Hose hab ich euch schon an der kleinen Hasentochter vorgestellt - "Marty" von Annas Country ist das, und zwar in meiner allerliebsten Lieblingsversion, der Knickerbocker.


Inzwischen redet die große Hasentochter ja durchaus mit, wenn es darum geht, was sie anziehen soll. Sie hat da durchaus ihre eigene Meinung und ihre Lieblingsteile. Manchmal setze ich mich durch, wenn es um das Tagesoutfit geht, meistens darf sie mitreden - solange die Teile halbwegs zueinander und zum Wetter passen.


Wenn ihr etwas wichtig ist, versuche ich darauf Rücksicht zu nehmen. Ich finde, sie soll merken, dass ich ihre Meinung schätze. Klar klappt das nicht immer (und auch das ist wichtig zu lernen....), aber doch oft. Einer unserer wöchentlichen Diskussionspunkte war dieses Oberteil.


Sie liebt das Ding. Schwarz mag sie insgesamt gern. Und ich? Finde es schrecklich langweilig an einem Kind - Jeanshose und schwarzes Oberteil. Ääääächz. Also dachte ich, ich versuche es mal mit einer Alternative, die es mir auch gefällt - einer fetzigen Hose zum schwarzen Shirt....


Also habe ich mir einen senfgelben Hosenstoff gegriffen und in Kombination mit dunkelgrauen Bündchen und dem weiß-schwarz gestreiften Stoffonkelstoff eine Knickerbocker-Marty genäht.


Passend dazu eine einlagige Hamburger-Liebe-Beanie mit Umschlag und farblich passendem Stern und ein (gekauftes) Halstuch.



Ich finde es Wahnsinn, wie groß sie in diesem eher coolen Style wirkt. Aber es steht ihr super, und das gelb und das weiß passen total gut zu dem dunklen Shirt - damit sind wir auf alle Fälle wieder auf einer Wellenlänge. Ich bin ja echt froh, dass sie meine genähten Sachen so gerne anzieht und überall total stolz verkündet "Das hat meine Mama genäht!". Sie stürzt sich schon mit genauso viel Begeisterung auf die ankommenden Stoffpakete wie ich und fängt an zu bestellen.... ein Giraffenshirt bitte, und aus dem Stoff da einen Rock für mich und was mit Kapuze... :D


Ist doch irre, wie schnell die Zeit vergeht, und wie schnell die Kleinen groß werden, oder? Während ich die Zeit gerne etwas bremsen würde, kann die Tochter es gar nicht erwarten, groß zu werden. Heute morgen haben wir folgendes Gespräch geführt (und ich habe wirklich herzlich gelacht dabei!). Sie: "Mama, bin ich schon fünf Jahre alt?" Ich: "Nein, du bist vier!" Sie (vollkommen entrüstet): "IMMER DAUERND bin ich vier. Wann bin ich endlich nicht mehr vier????????". Ich: "Wenn du wieder Geburtstag hast!" Sie: "Dann werde ich aber bitte wenigstens gleich sechs!". :D :D


Aber egal ob 4, 5 oder 6, in ihrer Knickerbocker und dem Lieblingsshirt fühlt sich das hasenwilde Kind jedenfalls pudel- oder besser gesagt hasenwohl, und damit sind wir erstmal beide zufrieden... :D

Hier findet ihr noch den Link zum Ebook:


http://de.dawanda.com/shop/annas-country?quick_view_product=85465695
 
 
Hasenwilde Grüße,
Johanna

Mittwoch, 23. September 2015

Stil und Ehrlichkeit

DAS ist er. Das ist mein Stil. So will ich mich anziehen und so fühle ich mich wohl. Dieses Outfit ist absolut mein Ding. Meine Farben, genau das richtige Maß an Tüddelei, die für mich perfekte Rocklänge, lauter kuschelige Sweats, angenehm zu tragen, ohne einzuengen. Eben genau mein Stil.



Gar nicht so einfach herauszufinden, was "mein Stil" ist. Was zu mir passt. Zu meiner Art. Zu meiner Persönlichkeit. Mal davon abgesehen, dass sich "mein Stil" ja ständig ändert. Nicht dauernd und nicht grundlegend, aber ich trage heute nicht mehr die gleichen Sachen wie vor 10 Jahren. Und natürlich lasse ich mich beeinflussen - von der aktuellen Mode, von Leuten, die ich schätze und bewundere, von Designbeispielen, die mir so unter die Finger kommen. Aber ich versuche, aus all diesen Einflüssen etwas eigenes zu machen. Meinen Stil eben. Je weiter dieser "mein Stil" vom aktuellen Modefluss abweicht, desto mehr Mut braucht es dafür. Diesen Stil nicht nur zu entwickeln und zu finden, sondern auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. In der Stadt, beim Bäcker, beim Spazierengehen. Und noch ein bisschen mehr Mut braucht es, die Sachen im eigenen Stil im Netz zu zeigen.



Ich liebe ja gerade die Seiten, deren Stil unverkennbar ist. Die ein bisschen extravagant sind. Besonders. Die aus der Menge stechen durch besondere Ideen, witzige Kombinationen, rasante Farbkombis. Die sich ihren Stil selber machen. Und ihn dann als Inspiration einem breiten Publikum im Netz zugänglich machen. Das sind manchmal auch Kleidungsstücke, die meinem Stil so gar nicht entsprechen und die ich so vielleicht nicht anziehen würde. Trotzdem kann ich sie schätzen - für die Idee, die dahintersteckt, für eine handwerklich saubere Arbeit, für den Charme, den sie ausstrahlen, für ihre Besonderheit, für die Art, wie sie fotografiert und in Szene gesetzt sind.



Jedes Mal, wenn ich hier einen Beitrag online stelle, schwingt da ein bisschen Nervosität mit. Ich präsentiere hier ja nicht nur Klamotten, sondern auch das, was dahinter steht - ganz viel Herzblut, Überlegung, Zeit und Liebe. Entsprechend freue ich mich natürlich, wenn das, was ich mache, bei euch gut ankommt. Wenn viele Leute meine Beiträge anklicken und lesen, wenn ich den ein oder anderen Kommentar darunter finde, sehe, dass sich jemand meine Sachen angesehen und sich damit beschäftigt hat. Manche Bilder kommen bei euch wahnsinnig gut an, obwohl ich gar nicht damit gerechnet hatte. Andere Outfits, die ich total liebe, bekommen wenig Rückmeldung. Das ist auch vollkommen in Ordnung so - Geschmäcker sind einfach verschieden. Und das ist wichtig und richtig.



Wo ich allerdings wirklich meine Fassung verlieren kann, sind die vernichtenden Kommentare, die sich oft unter Posts finden. Ich muss sagen, ich bin bisher größtenteils davon verschont geblieben (ich scheine ziemlich liebenswerte Leser in euch gefunden zu haben.... :D ) - aber ich lese sie immer wieder. In Nähgruppen. Oder unter Posts von Kreativseiten. "Gruselig" steht dann da unter einem Bild von einem genähten Rock, oder "´total altbacken", auch "der macht dich voll dick" und "schrecklich". Und wenn dann jemand Einspruch einlegt oder den Verfasser eines solchen Kommentares zur Rede stellt, lese ich immer und immer wieder: "Ich bin doch nur ehrlich."



Da stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Ehrlich? EHRLICH? Nein, das ist nicht ehrlich. Das ist respektlos und unverschämt. Die Ehrlichkeit hat nämlich in einem sozialen Gefüge auch eine Grenze, und die nennt sich Respekt gegenüber dem Nächsten. Und so ein Kommentar, der unter der Gürtellinie trifft und dessen einziger Sinn es ist, jemanden damit zu treffen und zu verletzen ist vollkommen frei von Respekt. Ich glaube, im anonymen Netz vergessen manche Leute, dass hinter jedem Bild, das gepostet wird, ein Mensch steht. Jemand mit Gefühlen und Ängsten, jemand der lang hinter der Nähmaschine gesessen ist, um dieses Werk zu erschaffen. Jemand, der da Liebe und Zeit und Material reingesteckt hat und zurecht stolz darauf ist. Jemand, der hier seinen Stil erschaffen hat - auch wenn der vielleicht nicht jedermanns Geschmack trifft.




"Ehrlich kann eben auch mal unbequem sein" kommt dann. Stimmt. Eine eigene Meinung ist wichtig, und auch, diese vertreten zu können. Ohne ehrliche Kritik ginge in unserer Gesellschaft nichts voran. Wenn Missstände nicht angeprangert werden, wird auch nichts dagegen unternommen. Aber ehrliche, konstruktive Kritik hat immer ein positives Ziel. Will etwas verbessern. Etwas, das einem wichtig ist, das einem auf die Nerven geht, ein Zustand, der nicht haltbar ist. Ich glaube ein Kleidungsstück, das einem nicht gefällt, fällt nicht in diese Kategorie. Verlangt ja keiner, dass jemand in Lobeshymnen ausbricht, dem das Ding gar nicht gefällt. Aber dezentes Schweigen und Weiterscrollen ist ja auch eine Lösung - vor allem eine Lösung, die niemanden verletzt.... Ehrlichkeit hin oder her. Und wenn man sich schon gar nicht auf die Zunge beißen kann, dann macht auch die Formulierung ganz viel aus - konstruktive Kritik zeigt immer einen Weg auf. "Schrecklich" ist nicht konstruktiv. "Du könntest vielleicht nächstes Mal...." schon eher. Und wenn das dann noch begleitet wird von einem "Gut gefällt mir an deinem Teil...", ist das doch wesentliche leichter verdaulich als so ein Schlag mit dem Zaunpfahl.



Wahrscheinlich hätte ich euch das gar nicht erzählen brauchen. Wenn ihr, meine lieben Mitleser, nämlich Menschen wärt, die mit erniedrigenden und respektlosen Kommentaren um sich schlagen würden, dann hätte ich das sicherlich schon bemerkt. Trotzdem musste das mal raus - weil mich das wirklich betroffen macht, diese Art, mit anderen Menschen umzugehen. Und weil ich mich mit diesem Blogpost ganz öffentlich, ehrlich und mit meiner ganzen Überzeugung gegen diese Art stelle, miteinander umzugehen. Weil ich der Meinung bin, dass mein Stil und dein Stil, so unterschiedlich sie auch sein mögen, ganz wunderbar nebeneinander existieren können. Denn das macht die Welt bunt.



Und jetzt schlagen wir einen eleganten Bogen zurück zu meinem Stil und meinem Outfit, und vor allem zu dem gigantischen Stoff, den ich hier für Alles-für-Selbermacher vernähen durfte. "Nelvita" habt ihr bestimmt schon entdeckt, das ist der neue GOTS-Sweat von AfS - aus der Feder von Susn alias raxn. Susn ist eine der wenigen Nähkolleginnen, die ich auch persönlich und im realen Leben kenne, weil sie gar nicht so weit weg von mir wohnt - umso mehr freue ich mich, dass ich hier ihr Debüt-Textildesign in Szene setzen durfte. "Nelvita" trifft absolut meinen Nerv und gefällt mir wahnsinnig gut - mal davon abgesehen, dass oliv, weinrot und beere zu meinen Lieblingsfarben gehören. Und dieser Sommersweat vernäht sich wie Butter, außerdem ist er kuschelweich! <3 Kombiniert habe ich mit einem grünen Wintersweat mit weißen Punkten, der noch in meinem Stoffregal lagerte, einer glänzenden grünen Paspel für die Passe hinten und ein bisschen beerefarbigem Tüddelband unten.



Genäht habe ich hier den Sweatrock "MyHedy" von Petit et Jolie, der schon länger auf meiner Will-Haben-Liste stand. Ich bin total begeistert von dem Ebook - durch den Sweat fällt der Rock schön schwer und wandert im Gegensatz zu meinen vielen Sommerröcken auch nicht ständig die Leggings hoch - der ideale Herbst- und Winterschnitt und ganz sicher nicht der letzte seiner Art hier im hasenwildschen Kleiderschrank. :D Die Paspeltaschen brauchen etwas Zeit, sind aber supergut erklärt und machen echt was her auf dem fertigen Rock! Die Beanie ist - mal wieder - nach dem Tutorial von Hamburger Liebe genäht, die restlichen Teile sind aus meinem Kleiderschrankbestand.



Raxns "Nelvita" ist leider schon in zwei Farben ausverkauft - aber von diesem wundervollen olive gibt es noch etwas, also nichts wie hin da! Der Stoff ist als B-Ware ausgezeichnet, weil er kleine weiße Punkte haben kann - wobei ich auf meinem grünen Meter keinen einzigen entdeckt habe. Dafür ist der Preis unschlagbar!

Sweat - GOTS - Nelvita - Olive -raxn-kleine Fehler 

Mit diesem Outfit in meinem Stil und mit diesen meinen Gedanken zur Ehrlichkeit stelle ich meinen Post rüber zu RUMS. Und bin gespannt, was ihr so dazu sagt. :)


Hasenwilde Grüße
Johanna