Dienstag, 17. September 2019

Flexibilitätstheorie

Ihr Lieben,

wenn was nicht passt, dann muss man sich entweder damit abfinden oder gucken, ob man es ändern kann. Das trifft auf so viele Situationen im Leben zu. Und weil dieses "passen" oder "nicht passen" sehr individuell ist, gibt es leider kein Patentrezept - nicht für den Job, nicht für die Kindererziehung, nicht für einen gelungenen Urlaub und grundsätzlich sehr selten für Elemente der Lebensplanung.



Das ist recht schade, denn so ein fertiges Grundrezept würde das Leben doch viel einfacher machen. Ist aber nicht. Und, wenn wir ehrlich sind, wäre das auch ziemlich langweilig, oder?

Flexibilität ist also das Motto der Stunde. Immer wieder überprüfen, ob die eigenen Rituale noch zu mir passen. Gerade dann, wenn's irgendwo hakt. Seien es die Bettgehzeiten oder die Hausaufgaben, die gemeinsame Terminabsprache oder die Hobbygestaltung. Manchmal schleichen sich Gewohnheiten ein, die grundsätzlich zur Missstimmung führen.


Die große Tochter und ich feilen zum Beispiel immer wieder an den Hausaufgabenzeiten. Gleich nach der Schule ist sie so unkonzentriert, dass sie ewig braucht und viele Fehler macht. Zu spät am Abend kollidieren die Hausaufgaben aber mit Abendessen, Familienzeit und Bettgehzeiten. Und dazwischen? Da wäre ich doch durchaus auch gern mal mit meinen Kindern ungebunden. Frei für einen Ausflug, oder zumindest einen Einkauf im nahegelegenen Supermarkt. Wir haben also eigentlich gar keine Zeit für Hausaufgabenzeit! Aber hilft ja nichts. Ich bin also so flexibel wie möglich und wir teilen die Hausaufgaben auf und suchen nach dem Zeitpunkt, der am besten ins aktuelle Familienleben passt. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Aber grundsätzlich mit einem gewissen Maß an Flexibilität.


Ich stelle immer wieder fest: Rituale sind wichtig, aber es ist genauso wichtig, sie immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, ob sie nach wie vor familientauglich und zeitgemäß sind. Und dann flexibel zu reagieren, wenn Dinge geändert werden müssen.


Auch im Urlaub hab ich wieder festgestellt: Am friedlichsten ist der Ablauf, wenn wir Eltern uns nicht zu sehr auf unsere Pläne versteifen. Wenn es auf dem geplanten Stadtausflug furchtbar heiß ist und die Kinder quengelig werden, wird eben abgekürzt und wir suchen uns stattdessen einen kühlen Platz im Park, am Brunnen, am Bach, wo auch immer. Wenn die Herrschaften bereits zwei Stunden vor dem geplanten Restaurantbesuch quasi verhungern, dann kochen wir eben doch. Oder holen Pizza. Und gehen ein andermal essen. Was nicht heißt, dass wir vor jedem Wünschchen unserer Kinder eine tiefe Verbeugung machen - die halten durchaus auch manchmal was aus. Die Kunst ist, einen guten Blick dafür zu entwickeln, wann man die Pläne besser ändert und wann das Endergebnis für den vorhergehenden Ärger entschädigt. :D


Nähtechnisch ist das übrigens auch so. Es gibt genähte Teile in meinem Kleiderschrank, die passen eben einfach nur so irgendwie. Und nicht richtig. Die ziehe ich natürlich nie an. Aber weil sie ja irgendwie so halbwegs passen, werfe ich sie auch nicht weg. Und manchmal packt mich dann der Rappel, und ich mache mich über meine Schrankleichen her. Dann kommen sie entweder weg oder werden zu etwas Neuem. So auch hier - das Kleid mit dem wundervollen Rock hatte ein Webwareoberteil, welches nur so irgendwie halbwegs passte. Eigentlich waren die Träger zu weit innen und der Ausschnitt an der Achsel viel zu tief. Ich hatte das Kleid also vielleicht einmal an und seither schlummerte es in den Tiefen meines Kleiderschrankes. Bis ich mich letztens endlich dazu aufgerafft habe, das Oberteil und den Rock zu trennen. Stattdessen habe ich an den weichen Rockstoff eine "Lucy" von Meine Herzenswelt genäht. Ich musste sie ein bisschen kürzen, aber ansonsten passt sie nicht nur wunderbar an den Lynn-Rock, sondern eben auch an mein vernachlässigtes Rockteil. Und jetzt sitzt das Kleid wieder, ist weich und angenehm und ich habe Lust, es zu tragen. Die Bilder hat übrigens meine Schwester gemacht, und ich bin sehr begeistert davon - man sieht schon den Unterschied zwischen einem Stativ mit Fernauslöser und einem echten, lebendigen Menschen hinter der Kamera, findet ihr nicht? <3


Ich bin also um ein passendes Kleid im Schrank reicher und fühle mich in meiner Flexibilitäts-Theorie bestätigt. Lasst mich also einmal durchschnaufen und dann diese Hausaufgabenzeiten nochmal angehen... :D :D :D

Hasenwilde Grüße
Johanna

Samstag, 14. September 2019

ganz von vorn

Ihr Lieben,

ich hatte euch ja noch Bilder vom kompletten Babybub-Outfit versprochen. Dann mal los. :)

8 Monate ist er jetzt alt, der kleine Mann. 8 Monate!!! Kann man sich das vorstellen? Wo ist denn dieses Jahr so schnell hin??




Immer wieder höre ich: "Ihr wart doch schon so weit mit euren großen Mädels. Ihr hattet schon wieder so viele Freiheiten. Wie konntet ihr da nochmal von vorn anfangen??". Grundsätzlich stimmt das. Die beiden Großen sind einfach schon... ziemlich groß. Selbstständig. Klar brauchen die zwei mit 6 und 8 Jahren auch noch Zeit und Zuwendung und Betreuung, aber nicht mehr in dem Maße wie ein Baby. Wir konnten vor dem Babybub zu zweit abends fortgehen, ich konnte die zwei einfach schnell allein zu Hause lassen und einkaufen gehen oder ein bisschen Sport machen. Das abendliche Bettgehritual war easy und schnell und die Nächte - oh ja, die waren ganz und gar durchschlafen. (An dieser Stelle gähne ich heimlich. :D)


Und trotzdem. Oder gerade deswegen genieße ich unseren Babybub so unglaublich. Der ist nämlich ein absolutes Wunschkind. Ein ziemlich lang gewünschtes Wunschkind sogar. Und wir waren vom Gefühl her einfach unvollständig. Noch nicht fertig als Familie. Klar, wenn er sich nicht mehr eingestellt hätte, der Babybub, dann wären wir trotzdem zufrieden gewesen, mit unseren zwei tollen Mädels. Aber die Tatsache, dass ihn uns Mutter Natur doch noch geschenkt hat, hat uns mehr als glücklich gemacht.


Und ich habe heute, mit zwei ziemlich großen Kindern und einem Baby, einen ganz großen Vorteil: Ich kann ein bisschen in die Zukunft sehen. Bei der großen Räubertochter schien jede Phase eine Unendlichkeit zu dauern. Es fühlte sich manchmal so an, als würde sie ihr und mein Leben lang nicht durchschlafen. Oder Zähne kriegen. Heute weiß ich das besser. Beim dritten Kind kann ich ganz klar sagen: Es geht vorbei. Jede Phase ist zeitlich begrenzt. Und jede hat ihre schönen und ihre schwierigen Seiten. Es geht darum, sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren und sie in vollen Zügen zu genießen und die schwierigen möglichst stressfrei zu überstehen. Denn schon morgen kann der Babybub den nächsten Entwicklungsschritt tun. Und dann sind mitsamt den Dingen, die manchmal anstrengend sind, auch Dinge weg, die ich so sehr liebe. Ich kann also die im Moment zweistündig unterbrochenen Nächte recht relaxt hinnehmen in dem Wissen, dass das vorbeigeht. Dafür schließe ich bei jeder Stillrunde die Augen, genieße die kleinen Hände auf meiner nackten Haut und das zufriedene Babyschmatzen, ich streichle über den kleinen, weichen Babykopf mit dem süßen blonden Flaum und atme den Babyduft ein. Gefühlt sind in der Nacht, im Dunkeln, nur er und ich auf der Welt. Wenn der Bub nämlich wieder besser schläft, werden die nächtlichen Stillmahlzeiten ganz schnell weniger. Dann freue ich mich eben über mehr Schlaf. Nein, ich kann nicht behaupten, dass ich in irgendeiner Weise bereue, nochmal "ganz von vorn" angefangen zu haben. Im Gegenteil.


Zu dem süßen Anzug, den ich euch letzte Woche gezeigt habe, gab es auch noch eine kuschelige Strickjacke. Die hat der kleine Mann im Moment ganz viel an - für den sich anbahnenden Herbst ist das nämlich genau das Richtige. Ich habe eine Jumi von Rosarosa aus dem tollen Grobstrick in Jeans meliert von Namijda genäht - da ist auch der XXL-Aufnäher her. Ich bin total begeistert von dem Stoff, der hat sich super vernähen lassen und ist ganz weich, gar nicht kratzig. Vielleicht nähe ich mir auch noch eine Strickjacke, ich könnte eine brauchen. Mal sehen.

Hasenwilde Grüße
Johanna

Sonntag, 8. September 2019

Sommerfreuden

Schön langsam tauchen wir wieder auf aus dem Ferienfeeling. Schön langsam muss sich hier auch wieder ein bisschen Rhythmus etablieren. Und außerdem muss ich dringend schön langsam die Bettgeh- und Einschlafzeiten wieder in die richtige Richtung modifizieren.... :D Schade eigentlich. Wir hatten uns echt daran gewöhnt....


Die Sommerferien waren einfach wundervoll. Dieses Jahr ganz besonders, weil mein Mann seit Mitte August einen Monat Elternzeit hat und wir tatsächlich fast einen ganzen Monat alle fünfe ungebunden waren. Wir sind spät ins Bett gegangen und spät aufgestanden, waren ganz viel Schwimmen, wir haben gegrillt, Leute eingeladen und einfach in den Tag hineingelebt.
Zusätzliches Programm war kaum nötig - die Mädels haben es sehr genossen, einfach tun und lassen zu dürfen, was sie wollten. Sie haben unendlich viele Hörspiele gehört und waren gefühlt mehr im Wasser als an der Luft. Richtig Sommer eben.


Ein Highlight waren die zwei Wochen Urlaub, von denen wir am Mittwoch heimgekommen sind.
Mit dem Wohnwagen in den Süden, Italien, Strand, Meer, gelato, Pasta und Pizza... Ich habe noch die Sonne im Kopf und den Pinienduft in der Nase. Auf dem Heimweg haben wir noch zwei Tage die Dolomiten genossen, mit fantastischem Ausblick, Kabinenbahnfahrt und einer ausgiebigen Bergwanderung. Ja, doch, so müssen Sommerferien aussehen. Und doch, ich könnte auch noch mehr davon vertragen. Echt.


Ja, aber, was war denn mit dem Baby??, fragt ihr jetzt vielleicht. Der Babybub. Der kleine große. Der entwickelt sich prächtig, robbt inzwischen wie ein Großer und bringt sich auch schon fleißig in Krabbelposition. Er kräht und lacht, und manchmal schimpft er auch ordentlich. Und er fügt sich außerordentlich gut in unsere Familie ein. Ja, was war mit dem? Er war eben einfach überall dabei.


Er hat jeden Tag im Meer gebadet, und manchmal auch zusätzlich noch im Pool. Er hat auf der Krabbeldecke am Strand gespielt, und ich musste ihn hin und wieder daran hindern, den kompletten Sandstrand aufzufuttern. Er war an unserem Stellplatz am Boden auf einer Decke oder im zum Laufstall umfunktionierten Reisebett und hat da gespielt. Er hat jeden Ausflug mitgemacht, bei jedem Wetter und jeder Temperatur, war in der Trage, im Kinderwagen, auf dem Arm, wie auch immer es uns am unkompliziertesten erschien. Abends ist er mit an die Uferpromenade zum Eisessen gekommen oder hat dem Mittelkind beim Tanzen im Miniclub zugeguckt. Autofahrten in jeder Länge hat er verschlafen oder verspielt. Und nachts hat er brav neben mir geschlafen, an seinen Hasen oder auch an mich gekuschelt und ist morgens fröhlich krähend zum Frühstück (oder Spätstück) aufgestanden.


Wir haben dabei genau so viel Rücksicht auf ihn, seine Vorlieben und das, was ihm gut tut genommen wie auf jedes andere Familienmitglied. Und es hat prima funktioniert. Absoluter Luxus war dieses Jahr auch, dass meine Eltern den gleichen Campingplatz angefahren haben wie wir - so waren zusätzlich noch zwei Großeltern zum Schieben, Unterhalten, Kuscheln und Spielen da. Das haben wir allesamt sehr genossen.


Ich habe auch mal wieder ein paar Babybub-Bilder für euch. Anfang August waren wir auf eine Hochzeit eingeladen, und ich habe den jungen Herrn standesgemäß eingekleidet. Ich habe eine Großbestellung bei Namijda getätigt und mich dann an der Nähmaschine verschanzt... Entstanden ist ein Hugo von Konfettipatterns in Kombination mit einer Käptn Kukka-Mütze von Rabaukowitsch. Der Stoff ist ein weicher gestreifter Sommerleinen von Namijda. Dazu gabs auch noch eine Jacke aus Grobstrick - aber die zeige ich euch nächstes Mal, ich habe nämlich unendlich viele süße Bilder davon!


Jetzt muss ich noch das Einschulungskleid für das Mittelkind fertignähen und die Schultüte füllen (und fotografieren!!!), damit für nächsten Dienstag alles bereitsteht. Und dann stürzen wir uns wieder in den wilden Schulalltag!

Hasenwilde Grüße
Johanna