Montag, 15. Juni 2020

Kein Hals-, aber ein Beinbruch

Hey ihr Lieben!

Jawohl, es gibt mich noch! Corona ist leider auch immer noch da! :D :D

Wo fange ich denn jetzt nach so langer Zeit wieder an??? Ich hab euch so viel zu erzählen. Ich war auch fleißig an der Nähmaschine, und es liegen noch einige Fotos und noch mehr unfotografierte Werke hier. Ob ich nicht motiviert war? Doch. Voll. Ich hab viele Stunden an der Nähmaschine verbracht und einiges abgearbeitet, was ich schon ewig mal machen wollte. Und ich hab immer noch einige das-will-ich-unbedingt-nähen-Werke vor mir. Solche, die ich schon ewig vor mir herschiebe, solche, die sich die Mädels wünschen und solche, die der Bub braucht. Langweilig wird mir so schnell nicht.

Also, was war los? Ich fange einfach direkt von hinten an. Mit dem letzten Erlebnis, das mir/uns die letzten zwei Wochen einige schlaflose Nächte und spannende Tage beschert hat. Ende vom Lied ist ein gebrochener Knochen, eine OP, und zwei Krücken für die nächsten Wochen. Wie es dazu kam? Passt auf:


Schuld war... das Trampolin. Und ein Ball. Ja, ich weiß, was ihr jetzt sagen wollt. Das haben die große Tochter und ich uns die letzten zwei Wochen von ungefähr jedem Arzt im Landkreis angehört: Bälle gehören nicht ins Trampolin. Understood. Wirklich. Wir haben das verinnerlicht. Es war aber weder unser Trampolin, noch unser Ball. Sondern einfach ein blöder Zufall. Das Tochterkind ist auf dem Ball aufgekommen und hat sich dabei das Knie verdreht. Soweit, so gut. Am Pfingstsamstag. Optimales Timing.


Nachdem das Kind erfolgreich nach Hause geschafft war, konnte sie am Abend nicht mehr auftreten und hatte starke Schmerzen im Knie. Ich hab sie also eingepackt und bin mir ihr in die nächste Notaufnahme. Da wurde das Knie geröntgt. Ergebnis: Kann man nicht sagen. Sieht komisch aus. Könnte ein Bruch sein. Weiß keiner. Muss man weiter untersuchen. Vielleicht operieren. Keine Ahnung. Wir legen das Bein mal in eine Gipsschiene. Vorerst. Krücken gibt's keine. Ihr kommt schon zurecht. Mit der Gipsschiene, mit der man nicht auftreten soll und dem neunjährigen Kind, das man jetzt auch nicht mal eben so um die Ecke hebt.


Wir haben also erstmal mit Erwachsenenkrücken experimentiert, die zum Glück noch auf dem Dachboden lagen. Das ging gerade so nicht besonders gut. Weil die Tochter zu klein ist dafür. Eine liebe Bekannte hat uns dann Kinderkrücken geschenkt, die sie noch von ihren Jungs übrig hatte. Ich sag euch Leute: Schmeißt sowas niemals weg. Irgendwer braucht es irgendwann. Die Tochter war heilfroh und ich auch.


Am nächsten Tag hat das Kind ausdauernd gejammert. Aber nicht wegen des Knies, das war gut ruhiggestellt und ganz in Ordnung. Sondern wegen der Ferse. Oder des Knöchels. Irgendwas da unten war schmerzhaft. Den Sonntag haben wir mit Schmerzmitteln überbrückt, am Pfingstmontag (immer noch Feiertag) hab ich sie dann wieder eingepackt - nächste Notaufnahme. Woanders. Wo vielleicht die Ärzte noch netter sind. Und jemand ein Ergebnis hat. Tja. Fehlanzeige. Die Gipsschiene kam ab, das Kind hat gejammert (weil das Knie nicht mehr gestützt war) und der Doktor hat einen kurzen Blick auf den Knöchel geworfen und dann die Gipsschiene schnell wieder angelegt. Die schmerzende Ferse hat er dabei offensichtlich nicht wirklich angeguckt. Sein Fazit: Da ist nichts. Da KANN nichts weh tun.


Da war das Kind anderer Meinung. Und nachdem sie die nächste Nacht heulend vor Schmerz durchgewacht hat, haben wir uns also in die dritte Stadt aufgemacht. Zu einem Kinderchirurgen. In der Hoffnung, endlich Antworten zu bekommen - und dass jemand herausfindet, warum das Kind Schmerzmittel wegen eines Körperteils braucht, der offensichtlich nicht verletzt ist. Herausgekommen ist eine riesige, bereits blau verfärbte Druckstelle an der schlecht gepolsterten Ferse. (Zitat Arzt: "Oh. Das sieht schlimm aus. Wegen sowas hab ich schon amputiert." Voll beruhigend, in dem Moment. :D). Jedenfalls kam die Schiene ab und ein Gips dran, der vor der Ferse endete. Und das Kind war von den Schmerzen befreit. Endlich.


Außerdem gab es einen Termin für's CT am nächsten Tag. Ergebnis: Jackpot. Ein sehr seltener Ausrissbruch am Unterschenkelknochen, an der Stelle, an der das Kreuzband festgemacht ist (Eminantia intercondylaris nennt sich das Knochenstück. Bricht man sich normalerweise nicht. Nur mein Kind.) Heimgekommen sind wir mit einem Termin für eine OP direkt am Montag, bei der das ausgerissene Teil mit zwei Schrauben wieder befestigt werden sollte.


Ich könnte noch zwei Romane schreiben. Über Stunden und Stunden und Stunden in Notaufnahmen, Wartezimmern, Behandlungszimmern. Über nette Schwestern und Pfleger, über Ärzte, die einen tollen Job gemacht haben. Aber auch über solche, die keinerlei Einfühlungsvermögen gezeigt haben. Über ein System, das so kompliziert und schwerfällig ist, dass der eine Chirurg die Röntgenbilder vom anderen Krankenhaus (die ich per CD abholen musste, weil der direkte Versand nicht möglich war) nicht lesen konnte, weil die Programme nicht übereingestimmt haben. Darüber, dass jeder die gleichen zehn Unterschriften von mir wollte. Und die Versichtertenkarte. Hundert Mal die Versichertenkarte. Über strenge Coronaauflagen. Darüber, dass die OP verschoben wurde, weil jemand vergessen hat, das Operationsbesteck zu sterilisieren. Aber auch über nette Betreuung, einen Handschuhfant und eine gut gelungene OP.


Bereits am nächsten Tag hat uns der Oberdoc schon wieder nach Hause entlassen, weil die Wunde wirklich gut aussah. Das Kind muss den Fuß die nächsten 5 Wochen noch entlasten und ist mit Krücken unterwegs. Für längere Ausflüge haben wir einen Rollstuhl verschrieben bekommen. Außerdem müssen die Schrauben wieder raus. Das ist lästig, aber das Schlimmste ist überstanden und inzwischen hüpft die Tochter mit ihren Krücken schon wieder recht gelenkig durch die Gegend. Baden gehen ist jetzt allerdings erstmal nicht. Schule klappt aber gut, hat sie heut schon getestet.


Ich habe das Gefühl, schön langsam haben wir die letzte Woche verdaut. Der Kleinste war verwirrt und grantig, die Große hatte Angst vor der OP und die Mittlere war eifersüchtig, weil wir nicht nur den geplanten Kurzurlaub abgesagt haben, sondern sich auch noch alles um die Große und den Kleinen gedreht hat. Es waren anstrengende Tage. Inzwischen habe ich den beiden Kleinen wieder intensiv Zeit widmen können und das Leben normalisiert sich. Soweit das im Moment möglich ist, jedenfalls. Kinder haben ist aufregend, wusstet ihr das?


Damit ihr beim Lesen auch ein bisschen was zum Gucken habt, gibt es mal wieder Bilder vom Babybub. Genäht habe ich den #High5Hoodie von rosarosa aus Sweat und eine passende #SSP. Das Musselintuch ist nach dem Freebook "Halstuchx2" entstanden. Rundum in rosarosa gekleidet, sozusagen. Und es steht ihm so gut. <3

Hasenwilde Grüße
Johanna