ein Kind fehlt noch in meinem Update. Das Sandwichkind. Die Mitteltochter. Noch eine Liebeserklärung.
Ja, wo fange ich an? Im Januar ist sie sieben Jahre alt geworden. Sieben Jahre alt! Ich meine, wie ist das so schnell passiert??? (Ja, ich weiß schon, hab ich bei den anderen beiden auch schon geschrieben. Aber ernsthaft - die Zeit fliegt doch, oder?). Aus meinem Minimäuschen, das immer "die Kleine" war, ist letztes Jahr ratzfatz eine große Schwester und ein Schulkind geworden. Und beide Jobs macht sie unglaublich gut.
Die Miditochter hat eine Fürsorge-Aura um sich. Gerade wenn es um kleine Kinder geht - die kümmert sich. Vollkommen selbstverständlich und mit so viel Geduld, wie man es einer 6/7-jährigen manchmal nicht zutrauen würde. Seien es die beiden Cousins, die sie nebenher mal füttert oder mit ihnen spielt, die kleine Cousine oder eben der eigene Bruder. Wenn sie heimkommt, schnappt sie sich als allererstes das Baby. Sie trägt den Bub ins Wohnzimmer und da wird mindestens 15 Minuten gespielt, gescherzt, gekitzelt, Fangen gespielt und was ihr noch so alles einfällt, um den Bub zum Lachen zu bringen. Sie hat immer ein halbes Auge darauf, ob er sich heimlich aus der Tür schleicht, um dann die Treppe hinaufzuklettern und sie sorgt zuverlässig dafür, dass in seiner Umgebung keine Kleinteile liegen. Er dankt es ihr mit sonnenstrahlendem Lächeln und ausgestreckten Ärmchen.
Aber auch sonst ist sie ein sehr soziales Wesen - das Fräulein integriert sich problemlos in jede Gruppe, hat Unmengen Freunde und verbringt ihre Freizeit am liebsten in Gesellschaft. Ihre neue Leidenschaft ist Witze erzählen, und damit bringt sie jede auch noch so triste Runde dazu, in Minutenschnelle in gut gelauntes, schallendes Gelächter auszubrechen. Und ich glaube, ich hatte in meinem Leben noch nicht so viele Freundebücher im Haus, wie das Midimädchen in den letzten zwei Jahren.
Das Kind ist unglaublich ehrgeizig. Wenn sie etwas können will, dann lernt sie das. Sei es das Radschlagen, das Blockflötenspiel, verschiedene Voltigier-Übungen, Lesenlernen oder Skifahren - das Kind setzt sich etwas in den Kopf und arbeitet dann konsequent darauf hin. Sie übt. Und übt. Sie fällt unzählige Male auf die Nase, steht auf und übt weiter. Und zwar so lange, bis sie es kann. Da führt kein Weg dran vorbei. Das Letzte, was sie gelernt hat, war das Pfeifen. Weswegen sie jetzt eben pfeift. Tagaus, tagein. Manchmal registriert sie selber schon gar nicht mehr, dass sie pfeift. Aber ich. :P Der Vorteil: Man hört immer, wo sie gerade steckt. Wie so eine Kuh mit Glocke um den Hals. :D :D
Ich kenne niemanden, der so schnell kapiert und umsetzt wie meine Mitteltochter. Sie sieht, checkt, und macht. Weswegen ihr das Schulleben unglaublich liegt. Das Kind fliegt federleicht durch alle Fächer, braucht nie Hilfe bei den Hausaufgaben und hat selbstständig ihre Sachen fertig und parat. Sie liest mindestens genauso gut wie ihre große Schwester und löst nebenher sämtliche Sternchen-Zusatzaufgaben, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Lehrerin ist begeistert. Ich auch. Auch als Lehrerin muss ich sagen, dieses Kind passt in unser Schulsystem wie das Salz in die Suppe. Der Deckel auf den Topf. Und der Schwanz an den Hund. Sie ist wie dafür geschaffen und liebt die Schule dementsprechend. Und die Schule liebt sie. <3
Zuhause kommt dann aber doch hin und wieder der ausgeprägte Dickschädel der Midimaus zum Vorschein. Manchmal ist er ihr eine Hilfe beim Erreichen ihrer Ziele, manchmal steht sie sich damit aber auch selber im Weg. Sie kann schwer fünfe gerade sein lassen, und die Suche nach einem Kompromiss mit ihr ist hin und wieder harte Arbeit. Ganz klar ist es mir aber lieber, sie testet ihre Grenzen an mir als an jemand anderem. Ich kann damit umgehen. Und ich lieb sie trotzdem. Das muss ich ihr auch regelmäßig sagen, wenn die Wut dann verraucht ist. Das ist das Wichtigste am Dickschädel.
Innen drin ist dieses Kind, das (fast) alles auf Anhieb kann und das in jeder Beziehung unglaublich viel Lob und Erfolg einsammelt, nämlich manchmal gar nicht so selbstbewusst. Sie braucht ganz viel Lob und Bestätigung und oft traut sie sich dann Dinge nicht zu, die eigentlich kein Problem für sie darstellen. Beim Lernentwicklungsgespräch in der Schule habe ich wieder gesehen, dass sie sich selbst wesentlich kritischer einschätzt als ihre Lehrerin. Ich gebe mir bei ihr besonders viel Mühe, ihren Erfolg nicht so sehr am Ergebnis festzumachen, sondern an der Tatsache, dass sie daran gearbeitet und Mühe hineingesteckt hat. Gerade meine Mittelmaus ist ein bisschen gefährdet zu glauben, dass ihr Daseinszweck davon abhängt, wie gut die Ergebnisse sind, die sie erzielt. Was ich total interessant finde, weil die Großtochter nämlich relativ unabhängig von der Meinung anderer und sehr stark für sich arbeitet. Und ich meine, beide vom Prinzip her gleich erzogen zu haben. Jedenfalls muss ich dem Mittelkind immer wieder betonen, dass Anstrengung reicht und das Ergebnis nur zweitrangig ist. Es ist mir echt wichtig, dass sie auch mit Misserfolgen umgehen kann, ohne sich selbst dafür zu zerfleischen - und dass es andersherum keinen Unterschied am Wert der Person macht, wenn jemand länger an einer Aufgabenstellung arbeiten muss als sie. Fehler sind Freunde. Auch bei einem Höhenflug.
Die Midimaus liebt Spiele. Ich spiele auch gern, der Rest der Familie eher weniger. Deshalb sind wir beiden die Brettspiel-Fraktion. Die neueste Errungenschaft ist Ubongo, was wir beide lieben (und da ist sie mir absolut ebenbürtig). Aber auch gemeinsames Puzzeln oder ein Kartenspiel stehen ganz hoch im Kurs, und dafür spatze ich mir hin und wieder auch gern ein halbes Stündchen ab. Spielpartner Nummer eins ist aber die große Schwester. Die beiden sind ja altersmäßig nur knapp zwei Jahre auseinander und teilen die meisten Hobbies und Interessen. Ihr Schleich-Universum ist quasi grenzenlos, und auch mit ihren Kuscheltieren können die beiden stundenlang in ihren Fantasie-Welten versinken. Inzwischen spielen sie auch sehr gleichberechtigt. Während früher oft die Große die Geschichte und das Setting bestimmt hat, und die Mitteltochter eben nur mitspielen durfte, bringen inzwischen beide ihre Ideen gleichermaßen ein. Manchmal kracht es, aber meistens einigen sie sich auf einen Weg, der irgendwie für beide passt. Ich beobachte das so gerne.
Auf den Bildern seht ihr Eindrücke vom ersten Schultag. Das Kleid hat sie sich genau so gewünscht - das Panel dafür habe ich in Tinas Steinblauem Lädchen entdeckt, der Kombistoff ist aus meinem Fundus. Als Schnitt habe ich "Delilah" von Mariele gewählt - die habe ich schon rauf und runter genäht; wenn ich ein gut sitzendes Drehkleid suche, ist der Schnitt immer wieder mein Favorit. Allerdings haben wir mit Gr 140 jetzt die Schlussgröße erreicht, und ich muss mich schön langsam mal nach einem würdigen Ersatz umsehen... :D Die Schultüte ist aus der Kollektion von Alles-für-Selbermacher, nämlich diese hier. Für die große Schwester durfte ich die Schultüte ja probenähen und habe mir ein Exemplar mit Namen, aber ohne Motiv gewünscht. Klar, dass die kleine Schwester das auch so haben wollte. Und weil Nadine ein großes Herz hat, habe ich nochmal ein Leerexemplar zum selbst-gestalten bekommen. <3 <3 Das Fräulein hatte sehr genaue Vorstellungen, was drauf soll, und ich habe die Katze genau nach ihren Wünschen gefertigt - die Webbänder, Schleifchen und die Glitzersteine waren dann aber meine künstlerische Freiheit - ein bisschen Überraschung muss schließlich sein! <3 Klar gabs auch eine Geschwistertüte für die Große! Und dann muss ich euch noch die Schultüten-Erdbeer-Sahnetorte zeigen, die hat mich nämlich fast mehr Arbeit gekostet, als das Kleid, glaube ich - lecker war sie aber allemal! <3
Auch mein Midimädchenist ganz schön groß geworden. Ein soziales, liebenswertes und zielstrebiges Kind - ich liebe es, ihr beim Wachsen zuzusehen. Aber sie soll langsam machen. Und sich noch oft zu mir kuscheln. Ganz oft. <3
Hasenwilde Grüße
Johanna































