Sonntag, 22. Oktober 2017

Geschichten vom kleinen Mädchen

Heute ist es soweit. Ernsthaft. Ihr begleitet mich jetzt schon so lange, ihr lest hier mein Leben, bekommt Einblicke in unseren hasenwilden Alltag und seid meine virtuellen Wohnzimmergäste. Und das muss belohnt werden. Heute. Ich werde euch nämlich mein allerwertvollstes Erziehungswerkzeug verraten. Nur euch. Und wer weiß - vielleicht wird es euer pädagogisches Dasein revolutionieren.... ;)


Na schön, vielleicht auch nicht. Aber wissen kann man nie. Und mir leistet es nun schon seit bald sieben Jahren ziemlich gute Dienste. Das kleine Mädchen.


"Wer??", fragt ihr? Also. Da müssen wir ein Stück weit zurückgehen.

Es war einmal ein Familienvater, der hatte vier Töchter. Eine bildhübscher und blitzgescheiter als die andere. Die Älteste war selbstredend die Umwerfendste. :D :D Jedenfalls waren diese Töchter mit einer großen Ladung an Wissbegierde und Begeisterung gefüllt und liebten Geschichten. Vorlesen konnte man ihnen Tag und Nacht, dann waren sie glücklich. Nun trug es sich aber zu, dass in manchen Situationen zwar eine Geschichte gefordert, aber kein Buch zur Hand war. Besonders akut war das Verlangen beim Kinderarzt oder im Auto.... ;) So griff der Vater in seiner Not zu einer Alternative - er erfand Geschichten selber. Jede Geschichte fing an mit "Es war einmal ein kleines Mädchen...." und blieb, der Einfachheit und der jeweils zugrundeliegenden komplexen Situation halber, möglichst nah an der Realität - und griff eben das jeweilige Kinderleben auf. Das kleine Mädchen ging in den Geschichten in den Kindergarten oder zur Schule, musste zum Arzt oder auf eine lange Autofahrt.... und meisterte diese Situationen bravourös. Was soll ich sagen, Autofahrten und Arztbesuche wurden erfolgreich überlebt, die Töchter waren zufrieden - und als die vier heranreiften und groß wurden, blieb das kleine Mädchen in den Köpfen....


Genau. So begleitet mich das kleine Mädchen eigentlich schon seit meiner Kindheit. Dass es sich aber bei meinen Töchtern (besonders bei der Großen) so gut einsetzen lässt, habe ich erst nach und nach herausgefunden...


Meine große Maus ist ein absoluter Madita-Verschnitt. Ideen ohne Ende im Kopf und schneller an der Umsetzung, als man blinzeln kann. Wie oft stand ich hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Entsetzen vor diesem Kind. Sie hat komplette Kleiderschränke geleert und daraus Nester und Höhlen gebastelt, hat sich eine Sandgrube aus Haferflocken auf dem Flurboden gebaut und ihr komplettes Kinderzimmer mit Penatencreme eingeschmiert und Ohrenstäbchen darin aufgeklebt. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.


Meistens hat es ordentlich Zeit gedauert, um das Chaos, in dem sie dann zufrieden gespielt hat, wieder aufzuräumen - aber ich kam nicht umhin, ihre Fantasie zu bewundern. Leider gab es auch die Ideen, mit denen ich mich gar nicht anfreunden konnte - schlichtweg, weil sie gefährlich waren. Aus dem Garten verschwinden und allein den Weg zur Oma suchen zum Beispiel. Oder beim Laufradfahren den Helm lieber der Puppe als sich selbst aufsetzen. Auf fremde Leitern klettern. Solche Dinge.


Leider war das Kind mit den fixen Ideen oft gar nicht so leicht davon zu überzeugen, etwas verlässlich sein zu lassen. Quasi belehrungsresistent - weil sie oft nicht verstanden hat, warum ich Dinge, die ihr so spaßig vorkamen, verboten habe. Und so habe ich zum ersten Mal eine Geschichte erzählt. Eine Geschichte vom kleinen Mädchen, das ohne Bescheid zu sagen die Oma besuchen wollte, und auf dem Weg gestürzt ist. Und weil keiner wusste, wo das Mädchen war, hat es lang gedauert, bis es endlich gefunden wurde. Ich habe erzählt, wie sehr sich die Mama gesorgt hat, als sie das kleine Mädchen nicht im Garten finden konnte. Und wie sehr das Mädchen gehofft hat, dass die Mama schnell kommt. Mein Tochterkind (genauso geschichtenliebend wie ich in dem Alter) hat mir mit großen Augen zugehört. Hat die Geschichte mit ihren Worten wiedergegeben. Und das war das letzte Mal, dass sie sich vom Grundstück entfernt hat, ohne Bescheid zu sagen.


Ich war begeistert. Eine GEHEIMWAFFE! :D :D Das kleine Mädchen ist von dem Zeitpunkt an immer wieder aufgetaucht, um für das Tochterkind die Konsequenzen einer Handlung aufzuzeigen. Um zu erklären, warum es manche Verbote gibt - und warum sie mir so wichtig sind. Aber auch, um in manchen Situationen Alternativen aufzuzeigen. Mal ging es um das Getrödel in der Früh, mal darum, dass man keine fremden Katzen im Garten füttert. Gerade mit 3/4 Jahren ist es meiner Tochter viel leichter gefallen, der Geschichte zu folgen als meiner theoretischen Erklärung. Jede Geschichte hatte selbstverständlich ein gutes Ende für das kleine Mädchen und alle Unstimmigkeiten haben sich in Luft, Friede, Freude und Eierkuchen aufgelöst. Und wir konnten viele Dinge ohne großen Aufwand beiseite schaffen.


Inzwischen ist die Maus schon sechs Jahre alt und braucht das kleine Mädchen kaum mehr. Aber manchmal - und so bin ich auf diesen Blogbeitrag gekommen - manchmal helfen die Geschichten heute noch. Erst vor ein paar Tagen haben wir uns gemeinsam auf das Wohnzimmersofa gekuschelt und ich habe ihr die Geschichte vom kleinen Mädchen erzählt, das seine Hausaufgaben immer ewig vor sich hergeschoben hat - und dann nicht spielen gehen konnte, als das Nachbarskind vor der Türe stand. Und was soll ich sagen - der Erfolg war an den letzten beiden Nachmittagen durchschlagend. Und mehr als dieses Erfolgserlebnis, wenn dann tatsächlich jemand an der Türe klingelt und alle Hausis erledigt sind, braucht es dann oft gar nicht, damit sich die nachmittäglichen Diskussionen in Luft auflösen - ich hoffe sehr, ein für alle Mal!


Mein kleines großes Mädchen seht ihr hier auf den Fotos in ihrer neuen "Coom" von Feefee - ein wunderbares Ebook, vielfältig und individuell wie seine Vorgänger. Die Pulliversion ist definitiv auch jungsgeeignet - aber meinen Mädels hat es die tolle Vokuhila-Mädelversion mit dem  Rockteil angetan. Den V-Kragen und die Ärmeleinsätze habe ich aus einem alten Strickkleid upgecycelt, den Waldstoff hat sich das Fräulein selbst ausgesucht. Mit der passenden gelben Biggi-Leggings drunter eine ideale Herbstkombi und hier im Dauereinsatz. Wem der V-Kragen nicht gefällt, der kann auch einen Rundhals nähen - oder an den V-Kragen eine Kapuze anhängen. Das Oberteil fällt wunderbar Oversize-lässig und gehört ab sofort zu unseren Favoriten im Kleiderschrank!
Hier könnt ihr euch sowohl die Mädels- als auch die Jungsversion nochmal genauer anschauen:

Coom Girl:
Coom Boy


Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte vom kleinen Mädchen - und vielleicht könnt ihr ja damit auch bei euren Kindern was anfangen. Und wenn nicht, dann lege ich euch zumindest den wunderschönen Schnitt ans Herz.... ;) Erzählt mal - was sind denn eure Lieblingserziehungsgeheimwaffen?

Hasenwilde Grüße
Johanna

Kommentare:

  1. Ich war vom Text gerade so fasziniert, dass ich gar nicht auf die Bilder geachtet habe... Wird jetzt aber gleich nachgeholt!

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    1. Hihi, das ehrt mich - vielen Dank. Ich freu mich ja immer sehr zu hören, dass jemand meine Texte auch tatsächlich liest und nicht nur die Bilder guckt... 😂👍😍😍 Lg Johanna

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