Dienstag, 24. Januar 2017

Titus im wintergrau

Es ist ruhig hier. Das Feuer knistert im Kamin, aber sonst ist nichts zu hören. Der dichte Nebel vorm Fenster taucht alles in ein verschwommenes grau. Nichts zu sehen, nichts zu hören. Grauer Wintertag. Himmlisch, eigentlich. Wäre da nicht das kranke Hasenkind im Nebenzimmer...


Die kleine Hasentochter schläft im Wohnzimmer, niedergestreckt von einem fiesen Virus. Ich habe also die letzten Tage (Na gut. Seit Sonntag Nacht. Meine Kinder haben normalerweise eine relativ robuste Konstitution. Ich jammere also auf hohem Niveau. :D) damit verbracht, das fiebernde Kind zu betüddeln.


Ich verbringe die Zeit mit der glühenden Tochter auf meinem Schoß, in meinem Arm oder direkt neben mir, lese Bücher vor, spreche Mut zu, halte ihre Haare, wenn sie spucken muss und schüttle ihr die Decke aus.


Der Haushalt muss zurückstecken, die Unterrichtsvorbereitung läuft in 10-Minuten-Raten, bis wieder ein klägliches "Maaaamaaaaa" vom Sofa ertönt und ich bin froh, dass die Gefriertruhe genug Vorräte hergibt, dass die große Tochter nicht verhungern muss. Das Leben läuft langsamer, wenn ein Kind krank ist.


Was aber die wirkliche Herausforderung ist, ist im Moment die Vereinbarkeit zwischen einem kranken Kind, einem Kindergartenkind (inklusive der täglichen Bring- und Abholzeiten) und zwei Jobs. Puh. Die Organisationsarbeit, die vor jedem Tag läuft, damit alle Familienmitglieder ihren Alltag stemmen können, ist wirklich nicht zu unterschätzen.


Wir haben das große Glück, dass meine Schwiegermama viel daheim ist und auch mein krankes Tochterkind sich bereitwillig von Oma versorgen lässt. (Ihr einziges Problem war, ob Oma wohl auch ihre Haare über der Spuckschüssel so effektiv halten kann wie ich. Nachdem ich mit einem Haargummi und zwei Haarspangen eine absolut spucksichere Frisur gezaubert habe, sind aber alle Bedenken ausgeräumt... ;) ). Wenn aber ich in der Schule bin und Oma das kranke Mäuschen betüddelt, kann niemand die Große vom Kindergartenbus abholen. Nachdem ich heute nur zwei Sportstunden geben muss, darf sie mich also ausnahmsweise in die Schule begleiten. Freude pur auf Tochterseite. Immerhin.


Morgen muss der Göttergatte vormittags zuhause bleiben, und dann hoffe ich wirklich, dass dieser Virus gegessen und verdaut ist - und die Große nicht als nächstes flach liegt. Der Donnerstag wird bringt nämlich sonst ein dickes Problem. Da kann nämlich eigentlich keiner daheim bleiben... :P


Das hatte ich definitiv unterschätzt. Und ich frage mich ernsthaft, wie sich da Leute behelfen, die eben keine Oma in der Nähe haben, die das kranke Kind versorgen kann. Oder deren Kinder eben nicht nur zweimal im Jahr krank sind (fest auf Holz klopf). Wie MACHT ihr das bloß?


Jedenfalls schicke ich allen Mamas, die auch gerade irgendeine Art von Lazarett versorgen, ganz viele liebe Grüße und viel Ausdauer. Und sorge mit diesen Lieblingsbildern vom kleinen Tochterkind hoffentlich für gute Laune und ein bisschen Sonnenstimmung im Kopf. Das ist nämlich eines meiner absoluten Lieblingsoutfits an ihr. Die Hose ist aus einer aussortierten Nadelstreifenhose meiner Schwester upgecycelt nach dem wirklich obergenialen Hosenschnitt "Titus" von FinnLeys. Eine aboslut lässige Hose - ein Jerseyexemplar an meiner Großen hab ich euch vor einer Weile schon *HIER* gezeigt. Obendrüber gab's eine Lotty von kibadoo - und auch das Strickoberteil ist aus einem aussortierten Strickpulli einer Freundin upgecycelt, von dem ich die angeschlagenen Ärmelsäume und das Loch im Bauchsaum einfach abgeschnitten und den Rest zum lässigen Oversizepulli umfunktioniert habe. Sooo lässig, die Kleinste im Haus, findet ihr nicht?

Hier geht's zum Ebook "Titus Kids"

titel-1

Im Moment schläft die kranke Tochter friedlich auf dem Sofa (nachdem ich telefonierenderweise die "Maaamaaaa"-Rufe gekonnt auf "gleeeeiheeeeich" verschoben habe, ist sie während des Wartens eingeschlafen), und nachdem sie das nun schon seit einer knappen Stunde relativ ruhig tut, hoffe ich, dass sie auf dem Weg der Besserung und bald wieder auf den Beinen ist. Solange beziehe ich hier meinen Posten als Krankenschwester und Kuschelkissen (mit kurzen Unterbrechungen). Mamajob eben. Und da soll einer sagen, ich arbeite nicht genug. :)

Hasenwilde Grüße
Johanna

Montag, 9. Januar 2017

Freunde eben

Wisst ihr, was interessant ist? Ich habe dieses Wochenende die Erfahrung gemacht, dass es mich tatsächlich mehr stresst, wenn ein Kind nicht da ist, als wenn es da ist. Das ist selbstverständlich abhängig davon, wo es gerade steckt. Aber lasst mich von vorn anfangen.


Meine große Tochter, inzwischen stolze fünf Jahre alt und Vorschulkind, ist seit den Herbstferien Mitglied im Kinderchor des Nachbarortes. Finde ich eine gute Sache - Singen ist ein tolles Hobby, sie lernt viele neue Kinder aus verschiedenen Altersstufen da kennen und hat auch echt Spaß daran. Hier aus dem Dorf gehen ziemlich viele Kinder dahin, es gibt nette Fahrgemeinschaften, ihre Freundinnen sind dabei und die Kinder bekommen auch reichlich Gelegenheit für Auftritte. Gute Sache das, also.


Nachdem meine Große ja nun mal meine Große ist, bin ich immer relativ unbedarft, wenn sie etwas Neues anfangen will. Keine älteren Geschwister, keine älteren Cousinen und Cousins, von deren Erfahrungswerten wir profitieren könnten - wir probieren also immer einfach mal. DIe Tochter springt ins kalte Wasser, und ich springe irgendwie mit. Mal mit mehr, mal mit weniger gutem Erfolg. So also auch die Chorsache. Samstag vormittags, in nettem Ambiente und guter Gesellschaft singt das Tochterkind nun also regelmäßig.


Und dann kam ganz schnell etwas, womit ich so gar nicht gerechnet hatte: das jährliche Kinderchorwochenende. Drei Tage auswärts mit zwei Übernachtungen in einem Jugendhaus, 50 Kinder und Jugendliche jeden Alters, und die Tochter als eine der Jüngsten mittendrin. Ich sage euch, mir ist das Herz schon Wochen vorher bei dem Gedanken in die Hose gerutscht. :D


Wir haben uns schließlich darauf geeinigt, dass sie Samstag und Sonntag als "Tageskind" teilnehmen darf - also zuhause übernachtet und via Privatchauffeuse morgens dort angeliefert und abends nach Programmende wieder abgeholt wird. Das schien mir für alle Beteiligten (inklusive der Chorleiterin) ein fairer Kompromiss.
"Was macht sie denn für ein Theater??", werdet ihr jetzt vielleicht denken. Naja, mal abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass das große Kind trotzdem noch ein bisschen klein ist (der Meinung bin ich übrigens schon immer, und ich sehe nicht, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändert... ;) ), ist meine Tochter ein eher ruhiges Kind. Jemand, der viel beobachtet, bevor er sich anschließt. Jemand, der sich von zu vielen Eindrücken manchmal einfach überfahren lässt. Dachte ich.


Samstag morgen also hatten zwei Mitglieder im Hause hasenwild ordentlich Muffensausen. :D :D Die Tochter versuchte, ihre Teilnahme kurz vor der Abfahrt doch noch zu revidieren und ich war nahe dran, ihr einfach zuzustimmen. :D Da ich aber weiß, dass es manchmal nur einen kleiner Stups in die richtige Richtung zum großen Glück braucht, haben wir beschlossen, uns die Sache zumindest zusammen anzusehen. Mit gepacktem Rucksack für einen langen Tag standen wir also dann morgens um halb neun vor dem Jugendhaus Schloss Pfünz und blickten die Fassade hoch. Ziemlich klein vor dem großen Schloss.


Als wir dann gemeinsam den Speisesaal mit der versammelten Kindermannschaft beim Frühstück betraten, das Kind neben mir den Rucksack fest umklammert, passierte etwas wunderbares. Die versammelten Kinder unserer Ortschaft kamen fröhlich lachend auf meine Tochter zu - bestimmt 7 Kinder, große und kleine, Jungs und Mädels, ein bunt gemischter Haufen - begrüßten sie mit Begeisterung und haben sie einfach mitgenommen. Ich habe dem selig lächelnden Kind zugesehen, wie es in einer Traube Kinder den Gang entlang verschwunden ist. Und ich weiß noch, dass ich dachte "Welch ein Glück, dass es euch gibt".


Als es zuhause langsam Abend wurde, habe ich gewartet. Darauf, dass jemand anruft und mir sagt, meiner Tochter wäre das alles viel zu viel und zu laut und zu lang und ich solle sie doch bitte abholen. Ich sah sie in meinem Kopf in irgendeiner Ecke sitzen, sehnsüchtig auf mich wartend und zu schüchtern, um das laut zu sagen. Ich sage euch, ich bin durch die Wohnung gelaufen wie ein eingesperrter Tiger. Schrecklich, so ein Mamaherz, manchmal....


Im Endeffekt habe ich meine Tochter nachts um halb zehn in bester Laune zurückbekommen (und ohne jedes Verständnis, warum sie eigentlich an diesem wunderbaren Ort nicht übernachten durfte). Sie war komplett aufgedreht, sprudelte quasi über vor lauter Erfahrungen und Neuigkeiten und Begeisterung und meinte mit leuchtenden Augen: "Mama, jetzt hab ich so viele Freunde, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann." Und ich? War mir nicht sicher, ob jemand mein Kind vielleicht heimlich ausgetauscht hat... Habe mit ihr gestaunt, mich mit ihr gefreut und mal wieder festgestellt, dass ich ihr ruhig mehr zutrauen darf, der kleinen großen Maus.


Am Sonntag habe ich sie wieder hingefahren und sie ist mit einer Selbstverständlichkeit zwischen den Kindern abgetaucht, über die ich nur den Kopf schütteln kann. Sie hatte nicht mal mehr Zeit zum Winken. Mittags waren wir Eltern eingeladen, in einem Konzert zu hören, was sich die Kinder übers Wochenende erarbeitet hatten. Und es klang, als hätten sie miteinander eine tolle Zeit gehabt.


Jedesmal, wenn mir dieses Wochenende durch den Kopf geht, sehe ich vor mir die Szene im Speisesaal, bei unserer Ankunft. Die Szene, die das ganze Wochenende bestimmt hat. Wären in dem Moment nicht die anderen Kinder gekommen und hätten meine Maus unter ihre Fittiche genommen - wer weiß, ob sie geblieben wäre. Wer weiß, wie es gelaufen wäre. Dieses Selbstverständnis, mit dem sie sie integriert und mitgenommen haben, finde ich so wunderschön. Klar kennen sich die Kinder untereinander - aber es ist dennoch nicht selbstverständlich. Gerade die Großen, die Schulkinder, die großen Schulkinder haben ja durchaus auch ganz viel anderes zu tun, als so ein Vorschulkind mitzuziehen. Und trotzdem. Trotzdem haben sie ihr den bestmöglichen Start in das Wochenende ermöglicht, den man nur haben kann. Und gerade die beiden Firmlinge, die da dabei waren, haben meine Tochter das ganze Wochenende über immer wieder begleitet. Haben ihr geholfen, haben ihre Schuhe und ihren Rucksack in ihrem Zimmer gebunkert und waren da, wenn sie Hilfe brauchte. Freunde eben. Und wisst ihr was? Ich bin mir sicher, dass die Welt genau diese Menschen braucht. Kinder mit Mitgefühl, mit einem Auge auf die Kleinen, mit Empathie und sozialem Einfühlungsvermögen. Denn aus ihnen werden tolerante und hilfsbereite Erwachsene werden. Und das Schönste - so, wie meine Tochter das jetzt erlebt hat, und auch die anderen Kinder in der Gruppe, so werden sie das irgendwann weitergeben. Irgendwann werden sie die "Großen" sein. Irgendwann werden sie im Speisesaal lächelnd auf einen Neuanfänger zulaufen und ihn herzlich in die Gruppe aufnehmen. Und damit die Welt ein Stückchen besser machen.


Hasenwilde Grüße
Johanna


Schnell noch ein paar Infos zu den Fotos:
Die Tunika ist meine geliebte "Sommerliebe hoch 3" von der "Drahtzieherin" Iris
Das Shirt darunter ist ein Upcyclingprojekt aus einem ausgedienten Teenie-Shirt einer Freundin, als Schnitt habe ich das Basic-Longshirt von Lillesol und Pelle genäht
Und die wunderbare XXL-Borte in gelb durfte ich für Nadine von Namijda vernähen, die in ihrem Shop inzwischen nicht mehr nur fantastischen Tüddelkram, sondern auch die wunderschönsten Stoffe hat - absolute Einkaufsempfehlung von mir! Die wunderbare hellgelbe Wäschespitze findet ihr hier:
*KLICK*
Und die Applikationsvorlagen für die Eis-am-Stiel-Applikation ist von Din-Din und ihr bekommt sie hier: *KLICK*

Samstag, 7. Januar 2017

Cheers!

Gutes neues Jahr, ihr Lieben! Ich hoffe, ihr habt alle die Weihnachtstage genossen und startet jetzt voll Elan in ein gesundes und frohes Jahr 2017, mit ganz viel Staunen, mit vielen ersten Malen und vielen kleinen Glücksmomenten zum Sammeln!
Auch wir sind gut angekommen. Nach einer längeren Familienpause, die einfach mal nötig war, sortiert sich schön langsam wieder alles hier - und wir sind schön langsam wieder startklar für den Alltag.


Ich habe das Gefühl, ich bin schön langsam wieder ganz im Schulleben angekommen. Dass sich die Umstellung doch so lange zieht, hätte ich gar nicht gedacht - ich bin ja eigentlich nur für ein paar Stunden und nur drei Tage die Woche da. Trotzdem musste irgendwie alles neu sortiert werden. Der Alltag zuhause, die Hausarbeit, die Unterrichtsvorbereitung und natürlich die Zeit mit den Kindern - es hat ein paar Wochen schieben und ausprobieren und umstrukturieren gebraucht, bis sich der Alltag wieder für alle passend eingelaufen hat. Die Näherei ist dabei etwas auf der Strecke geblieben, und der Blog erst recht.


Aber ich habe festgestellt, dass mir diese Pause von der Nähwelt eigentlich wirklich gut getan hat. Ich starte jetzt wieder mit richtig viel Elan durch, habe auch schon wieder einige Schnitte fertig für die Nähmaschine und habe mir wieder meine kleinen Nähpausen im Alltag eingerichtet, die einfach nur zum Abschalten, für mich und mein Hobby gedacht sind. Und ich bin gespannt, was das neue Jahr in der Hinsicht alles bringen wird.


Die Bilder, die ihr heute seht, lagern schon eine ganze Weile auf meiner Festplatte - aber das Teil, das ihr darauf seht, ist jahreszeitentechnisch ein Allrounder. Endlich gibt es Mamasliebchens "Carmina" auch für Damen. Sehr lässig fallend, in lang und kurz, mit dem typischen Off-Shoulder-Look und in ganz vielen Variationen tragbar. Am besten näht sie sich aus Viskosejersey. Ich mag so weite Teile ja total gern mit Gürtel - entweder direkt unter der Brust gebunden oder im Hüftbereich. Beides lässig, beides kaschiert so ein bisschen die weihnachtlichen Plätzchenpfunde und lässt sich tatsächlich zu jeder Jahreszeit tragen. Mit Longshirt drunter oder mit einem schicken Schal und einer dicken Strumpfhose absolut wintertauglich und im Sommer luftigleicht mit Caprileggings. Ich mag so Schnitte ja total gern, die das ganze Jahr irgendwie Saison haben. Ihr findet das Schnittmuster hier:
*KLICK*


Ich öffne jetzt dann also einen neuen Ordner "Probenähen 2017" und lasse mich überraschen, womit er sich im Laufe des Jahres füllen wird. Und ich habe euch so viel zu erzählen. Einige Nähwerke sind vom letzten Jahr noch übrig, die ich euch noch nicht gezeigt habe, und in den vergangenen eineinhalb Monaten hat sich einiges getan, abgesehen vom Schulstart - meine Mäuse standen das erste Mal auf Skiern, wir hatten ein paar wundervolle Tage im bayerischen Wald, haben ganz viel Familie genossen, aber auch das erste Weihnachtsfest ohne meinen Schwiegervater feiern müssen. Die Großfamilie hat mit meinem ersten Neffen Zuwachs bekommen und ganz viel dreht sich um den kleinen süßen Kerl meiner Schwägerin. Ihr seht, ich habe einiges zu berichten - und das in nächster Zeit sicherlich wieder regelmäßiger. Ich freue mich, dass ihr trotzdem immer noch da seid, hier in meinem kleinen virtuellen Wohnzimmer. Dass ihr mich begleitet, auch wenn das Leben zwischendrin den Blog überrollt. Ich stoße mit euch an - auf ein hasenwildes Jahr 2017! Cheers!


Hasenwilde Grüße
Johanna