Donnerstag, 4. Juni 2015

Gemüsegartengeschichten

Huhu ihr Lieben!
Ich hatte mir ja Anfang des Jahres vorgenommen, mehr Nicht-Genähtes hier zu zeigen. Mehr vom hasenwilden Dorfleben. Mehr Familie Hasenwild. Mitten im Leben. Und so. Zugegebenermaßen sind die guten Vorsätze unter dem Stapel genähter Probenäharbeiten verschwunden, die ich euch ja AUCH gerne zeigen möchte. Bisher. Aber vorletzte Woche hab ich endlich mal meine Kamera gepackt und ein paar vollkommen unnähverwandte Bilder geschossen.



Einer der Bereiche, in die ich euch ein bisschen hineinspitzen lassen möchte, sind unsere ausgedehnten Biogartenanlagen. :D :D Ich gebe ehrlich zu, dass das "Garteln" mehr das Hobby meiner Mannes ist als meins. Mein Hobby ist dann das Verarbeiten der Endprodukte, und davon gibt es haufenweise. Unkraut jäten ist zugegebenermaßen nicht so ganz mein Ding. Mein Mann verschwindet, sobald die Gartensaison anfängt, eigentlich allabendlich in einem seiner Gärtchen und wuselt da bis es dunkel ist. Sein Ausgleich zur täglichen Arbeit vorm PC ist das. Ich begleite ihn gerne. Und sehe ihm am liebsten zu. :D :D Na schön, hin und wieder lege ich auch Hand mit an. Aber es bleibt sein Hobby. Sein Ding. Er regiert. Quasi. :D


Aber auch, wenn er nicht in mein tägliches Aufgabengebiet fällt, mag ich den Gemüsegarten total gern. Gerade weil er so gut gepflegt ist. Die jungen Pflanzen, der Geruch von frischer Erde, die ersten Beeren an den Sträuchern, der selbstgezogene Salat. Das ist schon was Tolles. Und alles Bio. Heute nehme ich euch mit in den Garten Nummer 1. Der liegt ein bisschen außerhalb der Ortschaft, in der ich aufgewachsen bin und gehört eigentlich meinen Großeltern. Er ist relativ groß und sieht ein bisschen wie ein Schrebergarten aus. Eigentlich hat man bei uns die Gärten am Haus, aber das Haus meiner Großeltern steht direkt in der Ortsmitte, da war einfach kein Platz für einen großen Gemüsegarten. Und so wurde der ausgelagert. Der Gemüsegarten war Omas ganzer Stolz und nach ihrem Tod ist er ziemlich verwildert und überwuchert. Dem Opa hat das schier das Herz gebrochen, dass das Goldstück seiner Frau in so einem schlechten Zustand war. Aber mit seinen über 90 Jahren konnte er ihn selber nicht mehr bewirtschaften. Also haben wir den Garten übernommen. Ich glaube, vor ungefähr 4 Jahren war das.



So einen verwilderten Gemüsegarten wieder auf Trab zu bringen ist ganz schön aufwendig, aber inzwischen erstrahlt er wieder in neuem Glanz. Der Boden, der alle paar Jahre von der Altmühl überschwemmt wird, ist wirklich fruchtbar. Gepflanzt werden hier hauptsächlich pflegeleichte Dinge, damit wir nicht jeden Tag präsent sein müssen. Meine andere Oma übernimmt dankenswerterweise meistens den Gießdienst und bekommt dafür einen ordentlichen Gemüseanteil - oder setzt ihre eigenen Pflanzen mit in die Beete. Vom ursprünglichen Garten sind zwei große Rhabarberpflanzen, rote und schwarze Johannisbeeren und zwei Stachelbeersträucher geblieben. Wir haben den Beerenvorrat noch um eine ganze Reihe Himbeersträucher, zwei am Zaun entlangwachsende Brombeersträucher und zwei Blaubeerbäumchen erweitert.


Mein hasenwilder Göttergatte steckt da wirklich unglaublich viel Energie in sein Hobby. Von Fruchtwechsel über Sortensymbiose und wasweißich schmeißt er da mit Fachausdrücken um sich. In Kooperation mit dem Eichstätter Seminargärtner. Ich glaube, er wäre ein guter Bauer geworden. :D Einmal hat er ein Beet voll Weizen angebaut. EIN Beet. Ich musste den Weizen dann mit der Schere ernten und er wollte ihn mit Opas Dreschflegel ausdreschen. Ehrlich, Leute, ein Beet voll Weizen ergibt ziemlich genau Mehl für eine Semmel. Oder vielleicht eineinhalb. Aber sicher nicht mehr. Und ein Beet voll Weizen (das ist so ein Wäschekorb voll Ähren) lässt sich auch aufgrund der geringen Menge nicht besonders gut dreschen. Nach dem Vorschlag, ob ich die Ähren nicht von Hand "ausberdeln" möchte, habe ich in einer unbeobachteten Minute den Wäschekorb mitsamt Inhalt verschwinden lassen. :D Seither haben wir die Getreideproduktion wieder aufgegegeben... :D :D.


Was ich auch immer lustig finde, ist, welche Gerätschaften mein Göttergatte da aus den hintersten Winkeln des elterlichen Stodels zieht. Die Bodenfräse, die ihr hier seht, ist da noch das modernste Teil. Wir haben heuer auch schon die uuuuuuuuuuuuralte Kartoffellegemaschine ausprobiert (ging gar nicht schlecht - vielleicht habt ihr das Foto bei Insta gesehen?) und einen noch viel urälteren Kartoffelpflug entstaubt und in seiner rostigen Großartigkeit wieder zum Leben erweckt. Das liegt einfach daran, dass unser Gemüsegarten und die kleine Ackerfläche eigentlich zu groß sind, um sie mit der Hand zu bewirtschaften, aber zu klein für irgendwelche modernen Traktoren und Anhänger. Also muss das alte Zeug entstaubt werden, denn die Größe von den alten Pflugteilen ist genau richtig. Schon irgendwie cool. Ackerbau wie zu Großvaters Zeiten. Da sieht man's wieder - man soll eben nix wegschmeißen! :D


Angebaut wird immer in rauhen Mengen. Unter 30 Stück von irgendwas geht da gar nix. Begründung meines Mannes: "Ein paar gehen nicht auf. Und ein paar sind für die Mäuse und Vögel und Hasen und Schnecken, dann muss ich mich nicht ärgern, wenn die mir ein paar Pflänzchen zusammenfressen. Und überhaupt wächst ja nur Gras, wenn ich irgendwelche Flächen frei lasse." Ja. Vollkommen stichhaltig. Aber ratet mal, wer dann mit 60 Lauchstangen und 40 Knollen Sellerie in der Küche sitzt und verzweifelt versucht, dem Gemüse-Mount-Everest Herr zu werden.... :D


Was wir gepflanzt haben, wollt ihr wissen? Also. Rote Beete (die mag ich eigentlich nicht wirklich. Ich lass die immer unauffällig durchwachsen, dann kann man sie nicht mehr essen. :P Allerdings fällt das das dritte Jahr in Folge EVENTUELL auf....). 25 Sellerie. Zwei Sorten Kürbis, insgesamt bestimmt 9 Pflanzen. Weißkraut, Blaukraut, Wirsing, je ungefähr 20 Stück. Letzteren habe ich mal wieder mit dem Broccoli verwechselt und durfte die ganzen Broccolipflanzen wieder ausgraben. Weil die nämlich in den ANDEREN Gemüsegarten gehören. :P Die sehen sich aber auch echt ähnlich, die verflixten Dinger!! Was noch? Paprika in Massen. Basilikum. Schon gepflanzt waren Gurken, Zucchini, Erbsen, Knoblauch, Petersilie, Bohnen, Tomaten, Salat. Und natürlich Blumen. In Omas Garten hat man sich schon immer einen schönen Strauß mitnehmen können, das ist auch heut noch so.


Von Hand wird hinterher das 200-Liter-Fass wieder vollgepumpt. Das gibt Muckis, sag ich euch. Da ist es echt angenehm wenn man beim Gießen zu zweit ist - einer gießt, einer pumpt. Gießen ist weniger anstrengend. Ich verstecke mir immer heimlich die Gießkanne hinter den Sträuchern, weil wer die Gießkanne als erstes in der Hand hat.... ihr wisst schon.... :D :D :D


Und nach getaner Arbeit, verschwitzt und mit frischer Erde an den Händen, gibt's dann die wohlverdiente Pause. Ich mag die Bank. Abends kommt oft der Opa noch hierher, schaut, was in Omas Garten so wächst und setzt sich ein Weilchen auf die Bank. Weil hier in ihrem Garten die Oma noch präsenter ist als sonstwo. Irgendwie. Ein schönes Bild, finde ich.


Irgendeine Ausbeute zum Mit-Heim-Nehmen findet sich eigentlich immer. In dem Fall frischer Rhabarber, der zu einer feinen Erdbeer-Rhabarber-Torte geworden ist.

Tja, ihr seht, die Pflanzen sind gesetzt. Mal sehen, was wächst. Wenn ihr mögt, nehme ich euch ab sofort immer mal wieder mit - hier in den Gemüsegarten, und ich will euch auch unbedingt noch den Kartoffel- und Zwiebelacker und den Gemüsegarten auf dem Feld zeigen. Weil es so schön zu sehen ist, was die Natur alles so kann. Oder?

Hasenwilde Grüße
Johanna

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