Sonntag, 5. März 2017

Knigge vs. Ellenbogen

Letztens war ich mit Freundinnen auf einem Vortrag im Nachbardorf. Es ging um Knigge. Um gute Manieren, gutes Benehmen in der Öffentlichkeit, um How-Tos und Not-Tos.



Das meiste kannte ich schon, manches war mir nicht so bewusst, manches fand ich auch überspitzt pingelig. Insgesamt glaube ich, dass ich sagen kann, dass mir die Knigge-Grundbegriffe geläufig sind und ich versuche, diese meinen Kindern zu vermitteln. Bitte und Danke. Teilen. Abgeben. Hinten anstellen. Sich nicht mit den Ellbogen holen, was man möchte, sondern fragen. Und auch mal zurückstecken. Solche Dinge.


Daraus hat sich eine sehr interessante Diskussion hinterher zwischen mir und meinen Freundinnen entwickelt. Erziehungstechnisch liegen wir ziemlich auf der gleichen Wellenlänge, muss ich sagen. Ich würde die Kinder meiner Freundinnen als sehr wohlerzogen betiteln und es ist mir ein Vergnügen, sie um sich zu haben. Obwohl fast alle älter als meine beiden Damen, nehmen sie die beiden mit und lassen sie mit einkommen. Meine beiden Mädels nehmen so viel mit von diesen Treffen, beobachten, lernen, übernehmen und bewundern und lieben ihre großen Freunde über alles. Sie agieren rücksichtsvoll untereinander, teilen, helfen, warten. Eine wunderbare Gruppendynamik zwischen unterschiedlich alten Kindern.


Leider funktioniert das nur, wenn alle Kinder sich an die gleichen Regeln halten. Und darum drehte sich unsere Diskussion. Benachteiligen wir unsere Kinder, weil man mit zu viel Manieren und Rücksichtnahme einfach zu nichts kommt? Weil in einer Ellbogengesellschaft untergeht, wer keine Ellbogen hat? Weil man sich heutzutage lautstark präsentieren muss, um gesehen zu werden?


Ein Beispiel: Jedes Jahr im Sommer veranstaltet einer der Vereine hier am Ort eine Radtour für Kinder und Familien. Es werden drei unterschiedliche Schwierigkeitsgruppen gebildet, denen man sich anschließen kann, und nach der Radtour gibt es ein gemeinsames Essen am Spielplatz - und als Belohnung hinterher ein Eis für alle Kinder. Da kommt dann also jemand mit einer dicken Kühlbox, vollbepackt mit "Steckerleis" (Eis am Stiel). Es macht PUFF und alle Kinder stürmen auf diese Eisbox zu. Schieben, drängeln, brüllen von hinten "Ich will einen Tornado!" "Ich will ein Colaeis!", greifen in die Kiste und wutschen davon. Die meisten nicht grob, aber sehr energisch und bestimmt. Hinten steht meine große Tochter. Versucht, in dem Kreis um die Eisbox das Ende der Schlange auszumachen. Stellt sich irgendwo an. Ein Eis nach dem anderen geht weg, die Kinder rutschen auf, der Kreis bleibt dicht. Meine Tochter steht an. Hinten. Bis fast alle anderen weg sind. In der Kiste liegen dann noch ein paar übrige Eis am Stiel - manche, weil sie abgebrochen sind, andere, weil sie keiner wollte. Die Tochter sucht sich eines aus, bedankt sich höflich und kommt zu mir zurück. Und fragt flüsternd, warum sie eigentlich nie ein Eis mit Gummibärchen im Stiel bekommt.


Versteht mich nicht falsch, ich mache den übrigen Kindern keinen Vorwurf. Sie haben gelernt, dass es bei einer begrenzten Menge Ressourcen eben Sinn macht, sich seinen Platz in der Reihe zu erkämpfen. Schnell zu sein. Dass man in der Situation mit Rücksichtnahme und Hinten-Anstellen in den sauren Apfel (oder das abgebrochene Eis) beißt. Und sie haben vollkommen Recht damit. Nur, was mache ich jetzt mit meiner Tochter, die sich eigentlich nur akribisch an meine Regeln hält?


Ich konnte diese Frage bisher für mich noch nicht zufriedenstellend beantworten. Vielleicht wird meine Tochter im Laufe der Zeit die ein oder andere Überlebensstrategie entwickeln, um nicht leer auszugehen. Vielleicht wird sie ihre Ellenbogen für sich entdecken. Was ich dann mache? Keine Ahnung. Hoffentlich situationsangemessen und kindgerecht reagieren. Auf dem Grat zwischen Manieren und Ellenbogen balancieren und versuchen, nicht herunterzufallen.


Schnell noch ein paar Infos zu dem wunderschönen Schnitt, den meine Tochter da trägt: Das Kleid Winterhude von Pech und Schwefel gibt es jetzt endlich auch für Kinder - und als Drehkleid ist es prädestiniert für die Damen im Haus Hasenwild. :D Der amerikanische Ausschnitt bringt noch ein bisschen Pepp ins Spiel - und so ist ruckzuck ein all- und feiertagstaugliches Teil fertig. Übrigens lassen sich Rock und Oberteil auch einzeln nähen um die Frühjahrsgarderobe aufzustocken! <3
Hier findet ihr das Schnittmuster:
https://www.pechundschwefel.eu/shop/winterhudemaedchen/


Und jetzt erzählt doch mal! Wie steht ihr zu der Manieren-Ellenbogen-Problematik? Kennt ihr das Problem? Wie geht ihr damit um?


Hasenwilde Grüße
Johanna

Montag, 27. Februar 2017

Leopard

Bevor der Fasching vorbei ist, noch schnell ein paar Fotos vom aktuellen Lieblingskostüm der Großen. Frisch genäht und heiß geliebt - ein Leoparden-Romp*ee.


Eigentlich bin ich nicht der große Faschingsfan. Ich bin aber auch kein Faschingsmuffel. Hauptsächlich mag ich einfach bequeme Kleidung - und kratzige Perücken, juckende Glitzerstrumpfhosen und ein bemaltes Gesicht fallen aus dieser Kategorie ziemlich raus - muss ich nicht dauernd haben. Auch wenn ich einen Faschingsabend mit Freunden oder meinem Mann schon mal genießen kann.


Mit den Kindern zählt das Faschingsprogramm aber schon zu den "Must Do's", auch wenn wir uns dabei auf die wichtigsten Punkte beschränken - der Kinderfasching hier im Ort, ein Faschingsumzug, das Faschingstreiben vor Ort und der Kinderfasching im Kindergarten. Dazwischen darf es gern ein paar faschingsfreie Tage geben. So wie heute. Morgen starten wir mit dem Kinderfasching nochmal durch, und dann ist aber auch gut mit Fasching.


Jedenfalls gebe ich mir die größte Mühe, die Verkleidungswünsche der Damen möglichst zu erfüllen. Die Kleine wollte heuer gern als Fee gehen und hat ein wunderbares Feen-Drehkleid aus Satin und Organza bekommen. Leider ist der Organzastoff von wirklich mieser Qualität und fusselt an allen Ecken und Enden aus den Nähten. :( Ich habe den Überrock schon mehrfach geflickt, und leider ist er inzwischen nicht mehr wirklich fototauglich. Sehr ärgerlich, wenn man die Arbeit und das Geld bedenkt, die in das gute Stück geflossen sind. Ich denke, ich werde die Tage versuchen, den Organzarock vom Kleid zu trennen und das Satinkleid vielleicht mit einer schönen Schleife aufwerten - dann geht es zumindest noch als schickes Sonntags-Drehkleid durch. Falls das so klappt, wie ich mir das vorstelle, präsentiere ich euch sicherlich auch noch Fotos davon. :)


Das Leopardenkostüm ist aus Viskosejersey mit Leo-Druck von Buttinette entstanden. Ich habe das Schnittmuster "Romp*ee" von NipNaps genutzt, das trägt meine Tochter sowieso sehr gerne und frei Schnauze Ohren und Schwanz mit eingebaut. Mehr braucht das gute Teil dann auch gar nicht - ich habe es etwas größer zugeschnitten, so dass für den Karnevalsumzug gut noch Strickpulle und Fleecejacke drunterpassten. Die Bündchen halten Arme und Beine trotzdem gut an ihrem Platz, und der Leopard kann noch ein Weilchen mitwachsen.


Hier nochmal der Link zum Schnittmuster - falls ihr für nächstes Jahr gleich schon Ideen für den Karneval sammeln wollt:
https://www.makerist.de/patterns/teen-romp-ee

Ich tauche wieder in die langersehnte Ferienwoche ein - wie immer am Anfang der Ferien ist hier großes Räumen und Putzen angesagt. Heute werde ich mich mal über mein Arbeitszimmer machen, und dann schreit das Nähzimmer noch laut um Hilfe... Ich kremple also schon mal die Ärmel hoch und wünsche euch von Herzen einen tollen Faschingsendspurt!

Hasenwilde Grüße
Johanna

Montag, 6. Februar 2017

Geschwisterigkeiten

Hahaaaaa! Da staunt ihr, oder? Ich schon wieder! :D :D
Ich habe euch ja schon von kranken Kindern und so erzählt, und dass die Zeit dann immer langsamer läuft. Und ich plötzlich Zeit für Dinge habe, die ich sonst nicht schaffe. Weil ich meine Schwerpunkte anders setze. Der Haushalt darf mal liegen bleiben und die das-kann-ich-auch-in-Rufweite-vom-Sofa-tun-Jobs treten an erste Stelle. Darf auch mal sein, oder?


Wobei ich zugeben muss, so krank ist das große Kind gar nicht. Eigentlich kaum. Oder nicht mehr. Aber lasst mich von vorne anfangen.


Gestern haben wir uns einen wunderbaren Sonntagnachmittag gemacht. Ich hatte mit den Mädels Karten für ein Kinderkonzert des Georgischen Kammerorchesters, welches wirklich klasse war und die Kinder total begeistert hat. Es ging um Felix Mendelsson-Bartholdy, seine Musik, seine Reisen und seine Schwester. Wunderbar umgesetzt von zwei singenden Schauspielern (oder schauspielernden Sängern) und einem Teil des georgischen Kammerorchesters. Meine Mädels konnten sich gerade in die geschwisterlichen Kabbeleien total reinversetzen. :D Der Göttergatte hat in der Zeit einen Freund besucht, uns dann wieder abgeholt und abschließend waren wir noch richtig schick Eis essen (dank den frühlingshaften Temperaturen. Also über null Grad. :D ).


In letzter Zeit immer wieder, aber besonders gestern ist mir aufgefallen, dass die Kleine im Haus hasenwild den Platz auf Mamas Schoß doch ganz schön eifersüchtig verteidigt. Sie liebt ihre große Schwester, keine Frage, und sie macht nach wie vor alles genauso wie sie - aber sie kann die Große nicht bei mir kuscheln sehen, ohne sich selber dazwischenzuquetschen. Sofort. Immer. Woraufhin die Große sich trollt. Auch immer. Lange Zeit ist mir das gar nicht so aufgefallen, aber in letzter Zeit sehe ich das einfach mehr. Meine große Tochter beschwert sich nicht, sie geht einfach. Trotzdem kann ich manchmal in ihrem Blick sehen, dass sie die Kuscheleinheit mit Mama jetzt auch gebraucht hätte. Gesucht hätte. Warum ist mir das bisher nicht aufgefallen, frage ich mich? Das ist sicherlich nicht erst seit gestern so. Wahrscheinlich, weil die Große das ohne großen Kommentar, ohne Trara und Getue einfach wegsteckt. Wie so viele Dinge. Manchmal muss man bei ihr schon genau hinsehen, damit sie nicht zu viel schluckt. Denn manchmal kommt sie aus lauter Höflichkeit und Rücksichtnahme einfach nicht zu Dingen, die ihr durchaus zustehen würden. Das ist leider nicht nur zuhause so.


Ich versuche also, zwischen den beiden zu vermitteln. Versuche zu erreichen, dass die Kleine auch mal neben mir sitzen bleibt, wenn die Große auf meinen Schoß rutscht. Passiert sowieso nicht mehr so oft. Trotzdem stelle ich fest, dass die Kleine sich wesentlich mehr intime Mama-Zeit für sich reserviert als meine große Tochter. Schon allein dadurch, dass sich meine kleine Maus jede Nacht in mein Bett einschleicht und die halbe Nacht in engem Körperkontakt mit mir verbringt. Wenn ich dann morgens zur Großen ins Bett schlüpfe, um sie wachzukuscheln, ist die Kleine oft auch schon wieder mit von der Partie.


Ich habe also beschlossen, meiner großen Tochter auch hin und wieder ein bisschen Mama-Allein-Zeit einzuräumen. Weil sie das manchmal einfach noch braucht. Auch wenn sie schon ein Vorschulkind und ganz schön groß ist (und auf ihren Geburtstag am Wochenende hinfiebert... :D ). Nachdem mein großes Hasenkind also gestern Abend leicht Temperatur hatte und dann noch ganz schön fies auf einer Eisplatte aufs Steißbein gekracht ist, habe ich beschlossen, dass sie den Vormittag heute daheim verbringen darf. Obwohl beim abendlichen Stirntemperaturcheck eigentlich schon abzusehen war, dass sie heute wieder fit ist. Es hat einfach gut gepasst. Montag ist mein freier Vormittag (der einzige) und ich bin sowieso daheim.


Wir haben vorhin schon auf dem Sofa gekuschelt, die Maus hat sich bequem gewandet und genießt jetzt in vollen Zügen die Zeit für sich. Im Gegensatz zu ihrer Schwester, die ihr den ganzen Tag auf den Fersen ist, beschäftigt sie sich nämlich auch sehr gern allein - und ich glaube, dass ihr das manchmal fehlt. Vor allem, weil ihre kleine Schwester seit September ja auch schon im Kindergarten dabei ist und die beiden so den ganzen Tag miteinander verbringen. Meistens tun sie das auch gerne und spielen ganz viel miteinander - aber ich schätze, es wird trotzdem an der Zeit, die ein oder andere Ruheoase für die Große zu schaffen. Wie macht ihr das so? Habt ihr spezielle Mamazeiten für die Kinder? Wie schafft ihr es, dass das eine Kind das Zimmer des anderen Kindes als Privatsphäre respektiert, die man nicht einfach so betreten darf? Erzählt doch mal!


Weil sich die Große jedenfalls vorher zielsicher den Romp*ee nach dem Schnittmuster von NipNaps gegriffen hat, als ich ihr gesagt habe, sie darf sich aus ihrem Kleiderschrank "irgendwas bequemes" aussuchen, zeige ich euch jetzt gleich die passenden Bilder. Und bequem ist er, da gibt es gar keine Diskussion. Es rutscht nichts hoch, es rutscht nichts runter, es drückt vor allem nichts (und das ist für die große Hasentochter nach wie vor ein wichtiges Kriterium) und die langen Bündchen halten Ärmel und Beine schön an ihrem Platz. Der Romp*ee ist bei uns oft im Einsatz - gerade abends, nach dem Baden, oder an Wochenend-Gammelnachmittagen das ideale Kleidungsstück. Unseren Rompee habe ich aus Doubleface-Sweat aus dem Stoffladen hier in der Nähe genäht und dabei einfach beide Musterseiten genutzt. In Kombination mit den sandsteinfarbenen Bündchen (von afs) ein absolut zeitloses Teil, finde ich.

Hier findet ihr das Ebook "Teen Romp*ee" ab Größe 122 - Romp*ee gibt es aber auch als Kidsversion in den Größen 56-116!

titel-teen-rompee

Hasenwilde Grüße
Johanna

Samstag, 4. Februar 2017

Wintervanja

Ich hänge schon wieder hinterher mit den Blogbeiträgen. Mir fehlt einfach die Zeit. Die Zeit zum Nähen ist auch weniger geworden, aber da stehle ich mir hier und da ein Stündchen, so dass die Nähmaschine trotzdem regelmäßig rattern darf. Aber das Schreiben? Die Stunde für einen Blogbeitrag? Die ist einfach grade oft nicht drin zwischen Job, Alltag und winterlichem Geburtstagsmarathon.


Eigentlich ist der einzige Grund, warum ich jetzt samstags (der allwöchentliche Putztag, eigentlich) vormittags am PC sitze und tippe, dass ich mir den Kopf verdreht habe (oder zumindest weiß ich nicht, wer es sonst war... ;) ) und meine Rotlichtlampe dagegen die beste Medizin ist. Und während ich davor sitze, können meine Hände und der Kopf auch ein bisschen aktiv werden. Wellness für Körper und Geist, sozusagen. Was so ein verdrehter Kopf auch alles mit sich bringt. :D


Jedenfalls, bevor der Rest des Schnees hier weggetaut ist, schnell noch ein paar stimmungsvolle Schneebilder vom kleinen Hasenkind.
Wir haben heuer den ausführlichen Winter sehr genossen. Eigentlich war das ja wirklich die Optimalform Winter - bestimmt 4 Wochen lang sehr kaltes, trockenes Winterwetter mit Sonne pur und davor eine Menge Schnee, der wunderbar liegen geblieben ist. Also freie Straßen und trotzdem beste Schlittenbedingungen.


Die Mädels sind jetzt die letzten 4 Wochen fast jeden Tag mit dem Schlitten unterwegs gewesen. Am Ende der Welt, wo wir wohnen, ganz am Ortsrand zwischen Nirgendwo und Ganzweitweg, haben wir den großen Vorteil, dass sich direkt hinter unserem Haus die wilde Pampa erstreckt. In dem Fall die wilde, hügelige und verschneite Pampa. :D


Mein Mann hat den kleinen Berg hinter unserem Haus schon vor Wochen mit den Skiern ein bisschen platt gewalzt und somit den perfekten Schlittenberg geschaffen - der auch noch so platziert ist, dass ich die Damen aus dem Küchenfenster im Auge behalten kann. Da kann man dann auch eine 3- (halt, stopp, Viiiiierjährige inzwischen) und eine fast Sechsjährige den halben Nachmittag mit Bobs und Schlitten alleine rausschicken.


Manchmal waren Freunde da, manchmal haben sie sich einfach zu zweit amüsiert, manchmal sind der Papa oder ich oder auch mal eine der Tanten dazu gestoßen. Ob Hornschlitten, der neue Lenkerschlitten vom Christkind, Bobs, Schüsseln oder auch mal der schneeanzugverpackte Hintern - wir haben alle erdenklichen Rutschvarianten ausprobiert.
Das absolute Highlight war vor zwei Wochen ein riesiger Traktorschlauch, den Freunde von uns angeschleppt haben. Da haben die Kinder dann zu sechst draufgepasst. Oder die ganze Familie hasenwild gleichzeitig - der Göttergatte und ich unten und die Mädels obendrauf. War das ein Gekreische und Gejohle. Kombiniert mit guten Freunden, Glühwein/Kaffee/Kinderpunsch und Schokoladenlebkuchen der optimale Sonntagnachmittag.


Und wisst ihr, das sind die Tage, die den Kindern dauerhaft in Erinnerung bleiben. Die einen für die ganze Woche oder noch länger beseelen. Die das Familienleben in die perfekte Harmonie katapultieren. Und die abends mit roten Backen und glänzenden Augen, verpackt in eine dicke Kuscheldecke, gemeinsam auf dem Sofa enden. Das ist Winter, wie man ihn sich vorstellt und wünscht. Und was in aller Welt könnte man mehr wollen?


Die kleine Maus lässt sich inzwischen auch nicht mehr in alle Kleidungsstücke stecken, die Mama so näht. Ich spreche also vorher auch mit ihr ab, was aus einem Schnitt werden muss, damit sie ihn hinterher auch anzieht. Kleider kommen ja immer gut an (davon hab ich euch ja schon das ein oder andere Mal erzählt... ;) ), Glitzer gibt auch Pluspunkte und dann habe ich hier noch den Extrawunsch nach einem Pferd auf dem Kleid erfüllt (genähmalt) - die Chancen stehen also gut, dass ihr den Pulli noch das ein oder andere Mal an der Tochter seht! Genäht habe ich den nagelneuen Hoodieschnitt "deine Vanja" von Meine Herzenswelt. Wie alle Schnitte von Ilona ein Tausendsassa - Pulli, Kleid, mit Kapuze oder Kragen, diverse Passen- und Taschenmöglichkeiten... hier in relativ schlichter Form aus Glitzersweat, damit die Appli gut zur Geltung kommt. "Deine Vanja" ist definitiv eine fette Empfehlung für den hauseigenen Kleiderschrank - ihr müsst unbedingt die Probenähbeispiele anschauen, da sind soooo schöne Teile entstanden. Und bei mir liegt auch schon die nächste unter der Nähmaschine!


Hier könnt ihr euch den Schnitt "deine Vanja Kids" (bis Gr 128) genauer ansehen (ihr findet aber auch "deine Vanja Teens" ab Gr 134 im Shop) - noch zum Einführungspreis erhältlich!!

eBook # 19 - deine Vanja Kids - Hoodie / Sweater - Größe 74-128 - Nähanleitungen bei Makerist sofort runterladen

Ich nehme mir, wie immer, vor, bald wieder von mir hören zu lassen. Allerdings ohne die lästigen Nackenschmerzen, bitte! :D

Hasenwilde Grüße
Johanna


Dienstag, 24. Januar 2017

Titus im wintergrau

Es ist ruhig hier. Das Feuer knistert im Kamin, aber sonst ist nichts zu hören. Der dichte Nebel vorm Fenster taucht alles in ein verschwommenes grau. Nichts zu sehen, nichts zu hören. Grauer Wintertag. Himmlisch, eigentlich. Wäre da nicht das kranke Hasenkind im Nebenzimmer...


Die kleine Hasentochter schläft im Wohnzimmer, niedergestreckt von einem fiesen Virus. Ich habe also die letzten Tage (Na gut. Seit Sonntag Nacht. Meine Kinder haben normalerweise eine relativ robuste Konstitution. Ich jammere also auf hohem Niveau. :D) damit verbracht, das fiebernde Kind zu betüddeln.


Ich verbringe die Zeit mit der glühenden Tochter auf meinem Schoß, in meinem Arm oder direkt neben mir, lese Bücher vor, spreche Mut zu, halte ihre Haare, wenn sie spucken muss und schüttle ihr die Decke aus.


Der Haushalt muss zurückstecken, die Unterrichtsvorbereitung läuft in 10-Minuten-Raten, bis wieder ein klägliches "Maaaamaaaaa" vom Sofa ertönt und ich bin froh, dass die Gefriertruhe genug Vorräte hergibt, dass die große Tochter nicht verhungern muss. Das Leben läuft langsamer, wenn ein Kind krank ist.


Was aber die wirkliche Herausforderung ist, ist im Moment die Vereinbarkeit zwischen einem kranken Kind, einem Kindergartenkind (inklusive der täglichen Bring- und Abholzeiten) und zwei Jobs. Puh. Die Organisationsarbeit, die vor jedem Tag läuft, damit alle Familienmitglieder ihren Alltag stemmen können, ist wirklich nicht zu unterschätzen.


Wir haben das große Glück, dass meine Schwiegermama viel daheim ist und auch mein krankes Tochterkind sich bereitwillig von Oma versorgen lässt. (Ihr einziges Problem war, ob Oma wohl auch ihre Haare über der Spuckschüssel so effektiv halten kann wie ich. Nachdem ich mit einem Haargummi und zwei Haarspangen eine absolut spucksichere Frisur gezaubert habe, sind aber alle Bedenken ausgeräumt... ;) ). Wenn aber ich in der Schule bin und Oma das kranke Mäuschen betüddelt, kann niemand die Große vom Kindergartenbus abholen. Nachdem ich heute nur zwei Sportstunden geben muss, darf sie mich also ausnahmsweise in die Schule begleiten. Freude pur auf Tochterseite. Immerhin.


Morgen muss der Göttergatte vormittags zuhause bleiben, und dann hoffe ich wirklich, dass dieser Virus gegessen und verdaut ist - und die Große nicht als nächstes flach liegt. Der Donnerstag wird bringt nämlich sonst ein dickes Problem. Da kann nämlich eigentlich keiner daheim bleiben... :P


Das hatte ich definitiv unterschätzt. Und ich frage mich ernsthaft, wie sich da Leute behelfen, die eben keine Oma in der Nähe haben, die das kranke Kind versorgen kann. Oder deren Kinder eben nicht nur zweimal im Jahr krank sind (fest auf Holz klopf). Wie MACHT ihr das bloß?


Jedenfalls schicke ich allen Mamas, die auch gerade irgendeine Art von Lazarett versorgen, ganz viele liebe Grüße und viel Ausdauer. Und sorge mit diesen Lieblingsbildern vom kleinen Tochterkind hoffentlich für gute Laune und ein bisschen Sonnenstimmung im Kopf. Das ist nämlich eines meiner absoluten Lieblingsoutfits an ihr. Die Hose ist aus einer aussortierten Nadelstreifenhose meiner Schwester upgecycelt nach dem wirklich obergenialen Hosenschnitt "Titus" von FinnLeys. Eine aboslut lässige Hose - ein Jerseyexemplar an meiner Großen hab ich euch vor einer Weile schon *HIER* gezeigt. Obendrüber gab's eine Lotty von kibadoo - und auch das Strickoberteil ist aus einem aussortierten Strickpulli einer Freundin upgecycelt, von dem ich die angeschlagenen Ärmelsäume und das Loch im Bauchsaum einfach abgeschnitten und den Rest zum lässigen Oversizepulli umfunktioniert habe. Sooo lässig, die Kleinste im Haus, findet ihr nicht?

Hier geht's zum Ebook "Titus Kids"

titel-1

Im Moment schläft die kranke Tochter friedlich auf dem Sofa (nachdem ich telefonierenderweise die "Maaamaaaa"-Rufe gekonnt auf "gleeeeiheeeeich" verschoben habe, ist sie während des Wartens eingeschlafen), und nachdem sie das nun schon seit einer knappen Stunde relativ ruhig tut, hoffe ich, dass sie auf dem Weg der Besserung und bald wieder auf den Beinen ist. Solange beziehe ich hier meinen Posten als Krankenschwester und Kuschelkissen (mit kurzen Unterbrechungen). Mamajob eben. Und da soll einer sagen, ich arbeite nicht genug. :)

Hasenwilde Grüße
Johanna

Montag, 9. Januar 2017

Freunde eben

Wisst ihr, was interessant ist? Ich habe dieses Wochenende die Erfahrung gemacht, dass es mich tatsächlich mehr stresst, wenn ein Kind nicht da ist, als wenn es da ist. Das ist selbstverständlich abhängig davon, wo es gerade steckt. Aber lasst mich von vorn anfangen.


Meine große Tochter, inzwischen stolze fünf Jahre alt und Vorschulkind, ist seit den Herbstferien Mitglied im Kinderchor des Nachbarortes. Finde ich eine gute Sache - Singen ist ein tolles Hobby, sie lernt viele neue Kinder aus verschiedenen Altersstufen da kennen und hat auch echt Spaß daran. Hier aus dem Dorf gehen ziemlich viele Kinder dahin, es gibt nette Fahrgemeinschaften, ihre Freundinnen sind dabei und die Kinder bekommen auch reichlich Gelegenheit für Auftritte. Gute Sache das, also.


Nachdem meine Große ja nun mal meine Große ist, bin ich immer relativ unbedarft, wenn sie etwas Neues anfangen will. Keine älteren Geschwister, keine älteren Cousinen und Cousins, von deren Erfahrungswerten wir profitieren könnten - wir probieren also immer einfach mal. DIe Tochter springt ins kalte Wasser, und ich springe irgendwie mit. Mal mit mehr, mal mit weniger gutem Erfolg. So also auch die Chorsache. Samstag vormittags, in nettem Ambiente und guter Gesellschaft singt das Tochterkind nun also regelmäßig.


Und dann kam ganz schnell etwas, womit ich so gar nicht gerechnet hatte: das jährliche Kinderchorwochenende. Drei Tage auswärts mit zwei Übernachtungen in einem Jugendhaus, 50 Kinder und Jugendliche jeden Alters, und die Tochter als eine der Jüngsten mittendrin. Ich sage euch, mir ist das Herz schon Wochen vorher bei dem Gedanken in die Hose gerutscht. :D


Wir haben uns schließlich darauf geeinigt, dass sie Samstag und Sonntag als "Tageskind" teilnehmen darf - also zuhause übernachtet und via Privatchauffeuse morgens dort angeliefert und abends nach Programmende wieder abgeholt wird. Das schien mir für alle Beteiligten (inklusive der Chorleiterin) ein fairer Kompromiss.
"Was macht sie denn für ein Theater??", werdet ihr jetzt vielleicht denken. Naja, mal abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass das große Kind trotzdem noch ein bisschen klein ist (der Meinung bin ich übrigens schon immer, und ich sehe nicht, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändert... ;) ), ist meine Tochter ein eher ruhiges Kind. Jemand, der viel beobachtet, bevor er sich anschließt. Jemand, der sich von zu vielen Eindrücken manchmal einfach überfahren lässt. Dachte ich.


Samstag morgen also hatten zwei Mitglieder im Hause hasenwild ordentlich Muffensausen. :D :D Die Tochter versuchte, ihre Teilnahme kurz vor der Abfahrt doch noch zu revidieren und ich war nahe dran, ihr einfach zuzustimmen. :D Da ich aber weiß, dass es manchmal nur einen kleiner Stups in die richtige Richtung zum großen Glück braucht, haben wir beschlossen, uns die Sache zumindest zusammen anzusehen. Mit gepacktem Rucksack für einen langen Tag standen wir also dann morgens um halb neun vor dem Jugendhaus Schloss Pfünz und blickten die Fassade hoch. Ziemlich klein vor dem großen Schloss.


Als wir dann gemeinsam den Speisesaal mit der versammelten Kindermannschaft beim Frühstück betraten, das Kind neben mir den Rucksack fest umklammert, passierte etwas wunderbares. Die versammelten Kinder unserer Ortschaft kamen fröhlich lachend auf meine Tochter zu - bestimmt 7 Kinder, große und kleine, Jungs und Mädels, ein bunt gemischter Haufen - begrüßten sie mit Begeisterung und haben sie einfach mitgenommen. Ich habe dem selig lächelnden Kind zugesehen, wie es in einer Traube Kinder den Gang entlang verschwunden ist. Und ich weiß noch, dass ich dachte "Welch ein Glück, dass es euch gibt".


Als es zuhause langsam Abend wurde, habe ich gewartet. Darauf, dass jemand anruft und mir sagt, meiner Tochter wäre das alles viel zu viel und zu laut und zu lang und ich solle sie doch bitte abholen. Ich sah sie in meinem Kopf in irgendeiner Ecke sitzen, sehnsüchtig auf mich wartend und zu schüchtern, um das laut zu sagen. Ich sage euch, ich bin durch die Wohnung gelaufen wie ein eingesperrter Tiger. Schrecklich, so ein Mamaherz, manchmal....


Im Endeffekt habe ich meine Tochter nachts um halb zehn in bester Laune zurückbekommen (und ohne jedes Verständnis, warum sie eigentlich an diesem wunderbaren Ort nicht übernachten durfte). Sie war komplett aufgedreht, sprudelte quasi über vor lauter Erfahrungen und Neuigkeiten und Begeisterung und meinte mit leuchtenden Augen: "Mama, jetzt hab ich so viele Freunde, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann." Und ich? War mir nicht sicher, ob jemand mein Kind vielleicht heimlich ausgetauscht hat... Habe mit ihr gestaunt, mich mit ihr gefreut und mal wieder festgestellt, dass ich ihr ruhig mehr zutrauen darf, der kleinen großen Maus.


Am Sonntag habe ich sie wieder hingefahren und sie ist mit einer Selbstverständlichkeit zwischen den Kindern abgetaucht, über die ich nur den Kopf schütteln kann. Sie hatte nicht mal mehr Zeit zum Winken. Mittags waren wir Eltern eingeladen, in einem Konzert zu hören, was sich die Kinder übers Wochenende erarbeitet hatten. Und es klang, als hätten sie miteinander eine tolle Zeit gehabt.


Jedesmal, wenn mir dieses Wochenende durch den Kopf geht, sehe ich vor mir die Szene im Speisesaal, bei unserer Ankunft. Die Szene, die das ganze Wochenende bestimmt hat. Wären in dem Moment nicht die anderen Kinder gekommen und hätten meine Maus unter ihre Fittiche genommen - wer weiß, ob sie geblieben wäre. Wer weiß, wie es gelaufen wäre. Dieses Selbstverständnis, mit dem sie sie integriert und mitgenommen haben, finde ich so wunderschön. Klar kennen sich die Kinder untereinander - aber es ist dennoch nicht selbstverständlich. Gerade die Großen, die Schulkinder, die großen Schulkinder haben ja durchaus auch ganz viel anderes zu tun, als so ein Vorschulkind mitzuziehen. Und trotzdem. Trotzdem haben sie ihr den bestmöglichen Start in das Wochenende ermöglicht, den man nur haben kann. Und gerade die beiden Firmlinge, die da dabei waren, haben meine Tochter das ganze Wochenende über immer wieder begleitet. Haben ihr geholfen, haben ihre Schuhe und ihren Rucksack in ihrem Zimmer gebunkert und waren da, wenn sie Hilfe brauchte. Freunde eben. Und wisst ihr was? Ich bin mir sicher, dass die Welt genau diese Menschen braucht. Kinder mit Mitgefühl, mit einem Auge auf die Kleinen, mit Empathie und sozialem Einfühlungsvermögen. Denn aus ihnen werden tolerante und hilfsbereite Erwachsene werden. Und das Schönste - so, wie meine Tochter das jetzt erlebt hat, und auch die anderen Kinder in der Gruppe, so werden sie das irgendwann weitergeben. Irgendwann werden sie die "Großen" sein. Irgendwann werden sie im Speisesaal lächelnd auf einen Neuanfänger zulaufen und ihn herzlich in die Gruppe aufnehmen. Und damit die Welt ein Stückchen besser machen.


Hasenwilde Grüße
Johanna


Schnell noch ein paar Infos zu den Fotos:
Die Tunika ist meine geliebte "Sommerliebe hoch 3" von der "Drahtzieherin" Iris
Das Shirt darunter ist ein Upcyclingprojekt aus einem ausgedienten Teenie-Shirt einer Freundin, als Schnitt habe ich das Basic-Longshirt von Lillesol und Pelle genäht
Und die wunderbare XXL-Borte in gelb durfte ich für Nadine von Namijda vernähen, die in ihrem Shop inzwischen nicht mehr nur fantastischen Tüddelkram, sondern auch die wunderschönsten Stoffe hat - absolute Einkaufsempfehlung von mir! Die wunderbare hellgelbe Wäschespitze findet ihr hier:
*KLICK*
Und die Applikationsvorlagen für die Eis-am-Stiel-Applikation ist von Din-Din und ihr bekommt sie hier: *KLICK*